Deutlicher Stellenrückgang, insbesondere im Vergleich zum Vorjahr

Im Mai 2020 waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) deutlich mehr Arbeitslose und weniger Stellen registriert als im Vorjahresmonat. Dennoch ist die Lücke zwischen Arbeitslosen und gemeldeten offenen Stellen (noch) nicht so groß wie sie zu Beginn des Beobachtungszeitraumes im Mai 2010 war. Insbesondere die Zahl der gemeldeten offenen Stellen liegt mit 583.624 noch deutlich über dem Wert aus dem Mai 2010 (355.703).

Der krisenbedingte Stellenrückgang betrifft alle Qualifikationsniveaus

Dabei betrifft die sinkende Arbeitskräftenachfrage die verschiedenen Qualifikationsniveaus in etwa in gleichem Maße. Selbst An- und Ungelernte sind im Vergleich zum Vormonat mit 8,6 Prozent etwas stärker vom Stellenrückgang betroffen. Für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung, Spezialisten mit Fortbildungsabschluss und Experten mit akademischem Abschluss wurden im Mai 2020 jeweils etwa sechs Prozent weniger Stellen bei der BA gemeldet als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Mai 2019) sind auf allen vier Qualifikationsniveaus etwa ein Viertel weniger Stellen zu verzeichnen.

Die Berufsbereiche sind unterschiedlich stark betroffen

Während die Corona-Krise auf allen Qualifikationsniveaus in ähnlichem Umfang zu weniger gemeldeten Stellen führt, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Berufsbereichen. Am stärksten betroffen ist der Bereich „Kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus“. Hier sind sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Vergleich zu den Vormonaten die größten Stellenrückgänge zu verzeichnen. Dies führt dazu, dass die Engpassquote – also der Anteil an Stellen, die in Engpassberufen ausgeschrieben wurden – im Monat Mai in diesem Bereich bei lediglich 21,7 Prozent lag.

Deutlich geringer fällt dagegen der Stellenrückgang im Berufsbereich „Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik“ aus. Hier ist der Bestand an gemeldeten Stellen im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt lediglich um zwei Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zum Beginn der Corona-Krise im März 2020 ist saisonbereinigt ein Stellenrückgang von insgesamt nur gut acht Prozent zu beobachten. Daher bleiben Fachkräfteengpässe in diesem Bereich auch in der Krise weitgehend bestehen. Fast neun von zehn Stellen waren hier im Mai in Engpassberufen ausgeschrieben.

In einigen Berufen steigt die Arbeitskräftenachfrage trotz der anhaltenden Krise

Trotz der anhaltenden Corona-Krise gibt es einige Berufe, in denen im Mai 2020 im Vergleich zum Vormonat April (wieder) mehr Stellen ausgeschrieben wurden. Dabei sind die größten Stellenzuwächse in sogenannten „versorgungsrelevanten“ Berufen wie bei Maschinenbau- und Betriebstechnikfachkräften zu verzeichnen (vgl. KOFA-Studie 1/2020). Allerdings ist diese Berufsgattung mit bundesweit gerade einmal 100 gemeldeten Stellen vergleichsweise klein. Eine deutlich größere Nachfrage bei ebenfalls deutlichen Stellenzuwächsen weist die Sozialverwaltung und -versicherung auf. Im Brandschutz und bei Justizverwaltungsfachkräften haben Stellenzuwächse dazu geführt, dass Fachkräfteengpässe im Vergleich zum Vorjahr sogar weiter zugenommen haben.