Seit Jahren wächst die Zahl der Programme verschiedener Anbieter zur Förderung energetischer Modernisierungen im Gebäudesektor. Neben den Bundesprogrammen der KfW Bankengruppe und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bieten viele Länder, Kommunen und Energieversorger eigene Förderprogramme an, die sich teilweise miteinander kombinieren lassen. Für den sanierungswilligen Eigentümer ergibt sich daraus ein Dschungel an Fördermöglichkeiten, welche jedoch aufgrund ihrer Vielzahl, Komplexität und Auflagen oft ungenutzt bleiben. Die Energiewende im Gebäudebereich gerät auch hierdurch ins Stocken und die nationalen Klima- und Energieeinsparziele werden immer schwerer erreichbar (Henger et al., 2016). Es besteht daher dringender Handlungsbedarf, um die Förderlandschaft für die Nutzer attraktiver und übersichtlicher zu gestalten, sodass die bereitgestellten Mittel ihren Weg in den Markt finden.

Spätestens mit dem Beginn des im Jahr 2006 gestarteten CO2-Gebäudesanierungsprogramms der bundeseigenen Förderbank KfW begann das Förder-Zeitalter der energetischen Gebäudesanierung. Seither hat sich viel verändert. Während die Zinsen mittlerweile auf einem historisch niedrigen Niveau liegen, versucht die Politik sich mit wechselndem Erfolg daran, die Gebäudeeigentümer zur Durchführung von Effizienzmaßnahmen zu ermutigen. Der Gebäudesektor gilt als „zentraler Schlüssel“ für eine modernisierte Energieversorgung und ist notwendig, um die Klimaschutzziele zu erreichen (BMWi/BMU, 2010). Momentan entfallen auf ihn bis zu 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und ungefähr 30 Prozent der Treibhausgasemissionen (BMWi, 2014). Deshalb wurden im Jahr 2010 im Energiekonzept der Bundesregierung ambitionierte Ziele für den Gebäudesektor ausgerufen. So sollen bis zum Jahr 2020, gegenüber dem Jahr 2008, 20 Prozent des Wärmebedarfs im Gebäudesektor eingespart und bis zum Jahr 2050 ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand erreicht werden.

In den Jahren 2014 und 2015 wurden im Rahmen des „Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE)“ und der „Energieeffizienzstrategie Gebäude“ eine Reihe von Aktionen und Instrumenten benannt, um die Energiewende auch im Gebäudesektor voranzubringen (BMUB 2014; Bundesregierung, 2014). Neben den stetig steigenden ordnungsrechtlichen Anforderungen an den Neubau und die Sanierungsmaßnamen durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) setzt Deutschland vor allem auf die Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen. Es fehlt jedoch immer noch eine schlüssige Gesamtstrategie, mit der die verschiedenen erforderlichen Politikmaßnahmen im Bereich Energieeffizienz aufeinander abgestimmt werden (Henger et al., 2016). Der im November 2016 vorgestellte Klimaschutzplan stellt zwar einen wichtigen zeitlichen Rahmenfahrplan auf, lässt aber offen, mit welchen Instrumenten diese Ziele erreicht werden sollen (BMUB, 2016).

Auf Seiten der privaten Haushalte bestehen große Unsicherheiten hinsichtlich der Umsetzung und Wirtschaftlichkeit von Effizienzmaßnahmen sowie den Inhalten und der Qualität von Energieberatungsleistungen. Die bestehenden Hemmnisse der Hauseigentümer und die jüngst gesunken Energiepreise spiegeln sich in den rückläufigen energetischen Sanierungsmaßnahmen wider (vgl. Rein/Schmidt, 2016). So ist der Anteil energetischer Gebäudesanierung in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2015 wurden 36,4 Milliarden Euro oder 28 Prozent der gesamten Bauleistung hierfür verwendet.

Um die Ziele bis 2050 erreichen zu können, ist es notwendig, dass mehr private Investitionen in energetische Effizienzmaßnahmen durchgeführt werden. Um die Sanierungsrate anzuheben, sollten nicht nur konkrete Zwischenziele formuliert werden, sondern diese auch mit einer langfristigen und zielgruppenspezifischen Förderstrategie verknüpft werden (Henger/Voigtländer, 2012; Henger et al., 2016). Dieses Gutachten schafft daher einen Überblick und bewertet die gegenwärtige Fördersituation, um letztlich strategische Handlungsempfehlung ableiten zu können. Hierzu werden zahlreiche nationale und regionale Förderprogramme quantitativ und qualitativ ausgewertet und die Rolle wichtiger Förderinstitutionen untersucht. Das Ziel ist es, eine Gesamtübersicht über die Anzahl und Verfügbarkeit unterschiedlicher Förderprogramme je nach Bundesland zu erstellen. Darüber hinaus gilt es, auch die Situation der Sanierer anschaulich darzustellen. Hierbei stehen die Möglichkeiten der Inanspruchnahme von Fördermitteln zur energetischen Sanierung, aber auch die damit einhergehenden Hindernisse im Vordergrund.

Das Gutachten gliedert sich wie folgt: Zunächst wird in Kapitel 2 die gegenwärtige Situation in Hinblick auf wichtige Förderinstitutionen, Fördermöglichkeiten und Zugangs- sowie Kombinationsmöglichkeiten dargestellt. Hierbei werden Daten der Fördermitteldatenbank „Foerderdata“ exklusiv ausgewertet und ein anschaulicher Beispielfall vorgestellt, anhand der die hohe Komplexität der Fördergegebenheiten ersichtlich wird. In einem Fazit werden schließlich die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und konkrete Handlungsempfehlungen vorgeschlagen und diskutiert.

Dieses Gutachten ist Teil eines dreijährigen Forschungsprogramms in Kooperation mit der Schwäbisch Hall-Stiftung "bauen-wohnen-leben", dem Zentralverband des deutschen Handwerks und dem Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk. Zielsetzung ist, die Rahmenbedingungen zu untersuchen, die für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende im Gebäudesektor erforderlich sind. Der Beitrag liegt in der alleinigen Verantwortung der Autoren und stellt nicht notwendigerweise die Meinung aller Kooperationspartner dar.