Die teilweise hysterische öffentliche Diskussion um potenziell negative Folgen der Digitalisierung auf Beschäftigung und Beschäftigte steht in einem markanten Kontrast zur derzeitigen empirischen Realität. Für die Politik sollte allerdings die vorliegende empirische Evidenz handlungsleitend sein, nicht ein diffuses Ungemach, dass sich aus im Extremfall Untergangsprophezeiungen einer noch nicht absehbaren Zukunft speist. Um eine angemessene Antwort auf die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen in der Arbeitswelt zu finden, sollte die Politik sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung die Fragen stellen, warum sich die künftige Entwicklung von den bisherigen Erfahrungen abkoppeln sollte und welche Anhaltspunkte zu einem solchen Schluss führen können. Sie könnte dann auf diese Weise identifizieren, welche spezifischen Interessen einen Handlungsbedarf dort reklamieren, wo eigentlich keiner besteht, und die Digitalisierung unsachgemäß lediglich einem bereits bestehenden Standpunkt Geltung verschaffen soll.

Für verfrühten politischen Aktionismus besteht keine Notwendigkeit. Gestaltungswille ist dann gefordert, wenn sich in Zukunft politisch und gesellschaftlich ungewünschte Folgewirkungen einer fortschreitenden Digitalisierung ergeben sollten, die politischen Handlungsdruck erzeugen könnten. Diese Auswirkungen vollziehen sich jedoch nicht über Nacht und werden Schritt für Schritt erkennbar sein. Politik verliert daher auch in einer digitalisierten Wirtschaft keineswegs die Gestaltungsmacht über den ordnungspolitischen Rahmen auf dem Arbeitsmarkt und in der sozialen Sicherung.

Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Oliver Stettes: Arbeitswelt und Arbeitsmarktordnung der Zukunft – Welche Schlüsse können aus der vorliegenden empirischen Evidenz bereits geschlossen werden?

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Veranstaltung, 13. Juni 2017

Symposium Digital Transformation and Globalization in Germany and JapanArrow

This symposium Symposium of Japanese-German Center Berlin, Fujitsu Research Institute and Cologne Institute for Economic Research brings together experts and affected companies from Germany and Japan to discuss their views on and strategies for digital transformation to gain productivity and overcome market obstacles across Europe and Asia. mehr

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Veranstaltung, 1. Juni 2017

Roundtable Schöne neue Arbeitswelt?! Herausforderungen und Chancen für Sozialpartner und GesetzgeberArrow

Der gemeinsame Roundtable des European Trade Union Institute (ETUI) und des IW widmet sich auf Basis aktueller Forschungsergebnisse der Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf zukünftige Arbeitsformen und soziale Sicherungssysteme hat, welche Chancen und Herausforderungen dieser Wandel beinhaltet und wie dieser Strukturwandel von Sozialpartnern und politischen Akteuren gestaltet werden kann. mehr

IW-Trends, 23. Mai 2017

Barbara Engels Bedeutung von Standards für die digitale TransformationArrow

Der Erfolg der digitalen Transformation hängt entscheidend von der Verfügbarkeit globaler Standards ab. Um ohne Friktionen zu kommunizieren, brauchen alle Elemente eines Netzwerks eine gemeinsame Sprache, die sich in Standards bei Prozess- und Produktstammdaten äußert. mehr