Die Nachfrage nach Ingenieuren stieg auch im vierten Quartal 2016 ungebremst weiter. Gleichzeitig sind die Zahlen der arbeitslos Gemeldeten erneut gesunken und befinden sich mit monatsdurchschnittlich 25.960 Personen auf einem Tiefststand seit Beginn der Aufzeichnungen in der Klassifikation der Berufe 2010. Die gegenläufigen Entwicklungen auf der Angebots- und Nachfrageseite machen sich auch bei der Engpassrelation bemerkbar. Über alle Ingenieurberufskategorien und Regionen hinweg lag diese bei 271 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen. Während die Relation von zu besetzenden Stellen je arbeitslos gemeldeten Person in den Jahren 2014 und 2015 noch auf einem Wert von gut 2:1 lag, verschärfen sich die Engpässe seit 2016 wieder zunehmend und entwickeln sich auf einen Wert von 3:1 zu. Die Entwicklung der vergangenen Monate lassen sich auch aus dem Vergleich zum Vorjahresquartal ablesen. Das Stellenangebot nahm im Vergleich zum vierten Quartal 2015 um über 10 Prozent zu, während die Zahl der arbeitslos Gemeldeten um über 5 Prozent sank. Einer der Haupttreiber dieser Entwicklung ist die seit Monaten anhaltende starke Nachfrage nach Bauingenieuren.

So legte die Arbeitskräftenachfrage im Bereich Bau, Vermessung und Gebäudetechnik, Architekten mit einem Plus von 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal am stärksten zu. Mit insgesamt durchschnittlich über 25.000 zu besetzenden offenen Stellen entfielen mehr als ein Drittel des gesamten Stellenangebotes auf diesen Bereich. Der ebenfalls quantitativ bedeutende Bereich Energie- und Elektrotechnik, mit monatsdurchschnittlich 14.360 offenen Stellen, zog verglichen zum Vorjahreswert ebenfalls kräftig an (+10.2 Prozent).

Insgesamt sind die Beschäftigungsperspektiven für Ingenieure bundesweit sehr positiv. Während das Stellenangebot in Baden-Württemberg auf einem hohen Niveau verharrt, ist dieses in allen übrigen Regionen sogar nochmals gestiegen. Die meisten offenen Stellen wurden in Bayern gemeldet (13.430). Wie bereits in den vergangenen Quartalen folgten auf den Plätzen zwei und drei Baden-Württemberg (12.030) sowie Nordrhein-Westfalen (11.920). Die gestiegene Arbeitskräftenachfrage spiegelt sich auch in den Arbeitslosenzahlen wider, die weiterhin rückläufig sind. In allen Berufskategorien und Bundesländern (mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz/Saarland) waren verglichen zum Vorjahresquartal weniger Personen arbeitslos gemeldet.

In der Konsequenz sind in einigen Bereichen und Regionen verstärkt Engpässe beobachtbar. Das gilt allen voran für die süddeutschen Bundesländer. Der größte Engpass wurde im vierten Quartal 2016 im Bereich Maschinen- und Fahrzeugtechnik in Bayern gemessen. Dort gab es 648 offene Stellen je 100 Arbeitslosen zu besetzen. Auch im Bereich Bau, Vermessung und Gebäudetechnik, Architekten gibt es vermehrt Schwierigkeiten ausreichend Ingenieure zu finden. Davon betroffen waren insbesondere Bayern und Baden-Württemberg, wo durchschnittlich je Arbeitslosen sechs offene Stellen zu besetzen waren. Aber auch in Rheinland-Pfalz/Saarland, Niedersachsen/Bremen sowie in Hessen lag die Engpassrelation in diesem Bereich deutlich über 4:1.

Welche Folgen ein solcher Engpass haben kann, wird im öffentlichen Straßenbau ersichtlich. Zwar stehen dort Gelder unter anderem für den Straßenbau und die Sanierung von Brücken zur Verfügung. Wie aber die jüngsten Veröffentlichungen des Bundesfinanzministeriums im Haushaltsabschluss 2016 verdeutlichen, wurde ein Teil der Gelder nicht abgerufen. Im Verkehrsbau konnten insgesamt 400 Millionen Euro nicht verplant werden. Ein Grund dafür ist, dass in den öffentlichen Bauämtern die Planungskapazitäten ausgeschöpft sind und es immer stärker an Bauingenieuren fehlt.