Um Wohlstand und Wirtschaftswachstum zu erhalten, müssen Ersparnisse und Investitionen effizient zusammenfinden. Hierzu sind integrierte und hoch liquide Finanzmärkte vonnöten, die Unternehmen den Zugang zu Finanzinstrumenten und Investoren und Sparern eine effiziente Diversifikation ermöglichen. Liquide und stabile Finanzmärkte führen zu einer effizienten Preisfindung von Aktien, Anleihen, Devisen und Derivaten. Dieser Studie untersucht, inwieweit die vorgeschlagene Fusion der Deutschen Börse Group mit der London Stock Exchange Group zu einer Verbesserung der Bedingungen für Wohlstand und Wirtschaftswachstum beiträgt.

Traditionell ist die EU durch ein bankbasiertes Finanzsystem geprägt, bei dem sich die Kapitalmarktaktivität, z.B. die Emission von Aktien und Anleihen, auf die größten Unternehmen beschränkt. Während der globalen Finanzkrise und der Banken- und Staatsschuldenkrisen im Euroraum waren sogar profitable Unternehmen mit einem restriktiven Zugang zu Finanzierung konfrontiert als ihre Banken in Schieflage gerieten, während Unternehmen mit Zugang zu Kapitalmärkten weniger von der Krise betroffen waren. Eine Lehre daraus ist, dass die Unternehmensfinanzierung zusätzlich zur Finanzintermediation durch Banken durch einen verbesserten Kapitalmarktzugang profitieren wird. Tiefere und liquidere Kapitalmärkte werden Unternehmen den Zugang zu einer größeren Auswahl an günstigen Finanzierungsalternativen ermöglichen. So ist der Primärmarkt für börsennotierte Aktien eine wichtige Quelle für Kapital zur Finanzierung langfristiger Investitionsprojekte. Die vorgeschlagene Fusion wird die Tiefe und Liquidität des Aktienmarktes erhöhen und darüber Investoren anziehen. Denn eine hohe Liquidität senkt das Risiko für Investoren, indem sie dazu beiträgt, dass Orders immer zu attraktiven und unverzerrten Kursen ausgeführt werden können. Durch die Verbindung zu London können deutsche Unternehmen Zugang zu einer breiteren Investorenbasis erhalten.

Eine weitere Folge der Finanzkrise war die zunehmende Fragmentierung der europäischen Kapitalmärkte entlang nationaler Grenzen. Die grenzüberschreitende Kreditvergabe und die grenzüberschreitende Investitionen brachen ein. Der Aktionsplan der Europäischen Kommission für eine Kapitalmarktunion ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn die Wiederbelebung der Finanzmarktintegration sowie die Förderung von grenzüberschreitenden Investitionen und Vermögensbeteiligungen werden dringend benötigt. Die Fusion der Deutschen Börse Group mit der London Stock Exchange Group ist förderlich für die Unternehmen und dieses politische Projekt, denn sie würde der EU eine große und hochliquide Finanzmarktinfrastruktur schaffen, die verschiedene Länder umspannt. Dies würde dazu beitragen, das national fragmentiere System von Handel, Clearing und Verwahrung zu integrieren und konsolidieren. Die konsolidierte Einheit würde die Informationseffizienz der Kurse erhöhen und sie würde Investoren anziehen. Für die EU wäre dies vorteilhaft, denn dies würde die grenzüberschreitenden Vermögensbeteiligungen erhöhen, wodurch die Risikoteilung bei länderspezifischen Schocks verbessert würde.

Die britischen Haushalte besitzen Vermögenswerte in Höhe von 193 Prozent des britischen BIP in Pensionsfonds und Versicherungsverträgen, während die britischen Finanzunternehmen über finanzielle Vermögenswerte ich Höhe von 1.400 Prozent des britischen BIP verfügen. Deutsche Unternehmen werden von der vorgeschlagenen Fusion durch einen besseren Zugang zu britischem Finanzkapital profitieren. Die deutschen Sparer würden von einer Konsolidierung von Frankfurt und London durch den Zugang zu einem großen, stark diversifizierten und liquiden Aktienmarkt profitieren. Obwohl die deutschen Sparer traditionell hochliquiden Bankeinlagen präferieren, könnten ihre Sparentscheidungen im aktuellen Niedrigzinsumfeld von einer höheren Beteiligung an einem stark diversifizierten Aktienportfolio verbessert werden, da dieses eine höhere Rendite erwirtschaften und trotzdem sehr liquide sein würde.

Das Gutachten ist die erste von drei Analysen zu Auswirkungen von der geplanten Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange.

Gutachten für die Deutsche Börse AG

Michael Hüther / Markus Demary: The Economic Effects of a Merger of Deutsche Börse and London Stock Exchange: Part 1: Contribution to Financing the Economy

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Veranstaltung
Veranstaltung, 23. November 2017

20. Finanzmarkt Round-Table Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik – Erlösung oder neuer Schock?Arrow

Während die einen ein schnelles Ende des Niedrigzinses herbeisehnen, befürchten andere einen neuen Schock mit Rückwirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, die DekaBank und die Börsen-Zeitung laden ein zum 20. Finanzmarkt Round-Table in Frankfurt am Main. mehr

10. November 2017

Markus Demary / Klaus-Heiner Röhl Aktien müssen attraktiver werdenArrow

Die Zahl der börsennotierten Unternehmen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken – und die Investoren stecken ihr Geld lieber in andere Beteiligungsformen. Doch mit gezielten Maßnahmen ließe sich die Attraktivität der Börse wieder steigern. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 9. November 2017

Markus Demary / Klaus-Heiner Röhl Was sind die Gründe für die rückläufigen Börsengänge?Arrow

Die Anzahl an börsennotierten Unternehmen in Deutschland und weiteren Industrieländern wie dem Vereinigten Königreich und den USA nimmt seit mehreren Jahren ab. Es gibt deutlich mehr Börsenabgänge als Börsengänge. mehr