Die Analyse mit einer zeitlich konsistenten Datenbasis zur Einkommensverteilung im Zeitraum von 1998 bis 2021 zeigt eher das Gegenteil. Zwar sank die durchschnittliche Steuerbelastung der Bruttoeinkommen durch Einkommensteuer und Soli für die oberen 10 Prozent und die oberen 1 Prozent der Einkommensverteilung unmittelbar nach der Reform Anfang des Jahrtausends. In der Phase wirtschaftlichen Aufschwungs zwischen 2014 und 2019 führten jedoch ausbleibende Anpassungen des Einkommensteuertarifs sowie vieler Freibeträge an die Realeinkommensentwicklungen dazu, dass im Jahr 2019 die Steuerbelastung der Bruttoeinkommen aller Einkommensgruppen – auch die der oberen 1 Prozent – höher lag als im Jahr 1998.

Beim Anteil am Steueraufkommen lagen die jeweils oberen 10 Prozent trotz der Senkung der Spitzensteuersätze im betrachteten Zeitraum immer über dem Wert des Jahres 1998 – im Jahr 2019 betrug der Anteil 51 Prozent. Die oberen 1 Prozent lagen immer leicht unter dem Ausgangswert 1998, werden diesen aber voraussichtlich durch die Auswirkungen der Corona-Krise wieder überschreiten. Im Jahr 2019 lag der Aufkommensanteil der oberen 1 Prozent bei knapp 21 Prozent.

Auch die Gruppe der unternehmerisch Tätigen und Selbstständigen wies im Jahr 2019 eine deutlich höhere Steuerbelastung als 1998 auf. Trotz der Einkommensrückgänge im Zuge der Corona-Krise bleibt dieses Ergebnis erhalten.

Die Verteilungsanalyse mit den verschiedenen Datenquellen zeigt zudem, dass der reine Blick auf die Lohn- und Einkommensteuerstatistik die Beiträge zum Aufkommen der oberen Einkommensgruppen etwas überschätzt, da die Grundgesamtheit der Steuerpflichtigen nicht deckungsgleich mit der Gesamtbevölkerung ist. Auch der zeitliche Vergleich ist nur eingeschränkt möglich, da die Gruppe der Steuerpflichtigen in den Daten mit den Jahren gewachsen ist.