Statistiken zur Vermögensverteilung basieren auf Haushaltsbefragungsdaten. Bei den Immobilienwerten und der Höhe der Schulden zeigt sich eine recht gute Abdeckung der Vermögen gegenüber Referenzstatistiken der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Dagegen sind die Geldvermögen, zum Beispiel in Form des Verbreitungsgrades konventioneller Giro- und Sparguthaben und der Vermögen in (Altersvorsorge-) Versicherungen, deutlich untererfasst. Auch andere wichtige Vermögenspositionen werden systematisch ausgeblendet. Hierzu zählen Hausrat und Unterhaltsansprüche. Insgesamt sind die gemäß Befragungsdaten ausgewiesenen Durchschnittsvermögen erheblich niedriger als in den Referenzstatistiken.

Debatten zur Untererfassung des Vermögens konzentrieren sich bisher vor allem auf fehlende Angaben zu sehr hohen, in besonderem Maß betrieblich eingesetzten Vermögen. Hierzu erfolgen auch Zuschätzungen. Untererfassung breit verteilter Vermögensarten bleibt dagegen außer Betracht. Dadurch wird die Gleichmäßigkeit der Vermögensverteilung deutlich unterzeichnet. Auf dieser Datenbasis aufsetzende verteilungspolitische Ansprüche und Instrumente richten deshalb möglicherweise mehr Schaden als Nutzen an.

Die verfügbaren Haushaltsbefragungsdaten zeigen: innerhalb des letzten Jahrzehnts ist die Vermögensverteilung stabil geblieben – auch nach dem Beginn der Niedrigzinsphase. Es zeigt sich auch dann kein Anstieg der Ungleichheit, wenn sehr hohe Vermögen nach Maßgabe der Forbes-Reichenliste großzügig hinzugeschätzt werden.

Allerdings gibt es sehr wohl Einflüsse, die zur Verschiebung von Vermögensverhältnissen führen. Einige dieser Einflüsse verstärken die Ungleichheit signifikant. Dazu gehören etwa die starke Zunahme von Single-Haushalten oder die Akademisierung der Abschlüsse. Es spricht für die ausgleichende Wirkung unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, dass die Ungleichheit insgesamt dennoch nicht gestiegen ist.