Deutlicher Stellenrückgang, insbesondere im Vergleich zum Vorjahr

Am Arbeitsmarkt zeigt sich im Vergleich zu den Vorjahren erstmals ein Rückgang der von Unternehmen gemeldeten offenen Stellen bei gleichzeitiger Zunahme der Arbeitslosen. Seit 2010 war die Arbeitskräftenachfrage jedes Jahr kontinuierlich gestiegen, während die Zahl der Arbeitslosen rückläufig war. Diese Entwicklung hatte in immer mehr Berufen zu – zumindest regionalen – Fachkräfteengpässen geführt (vgl. KOFA-Studie 2/2019).
Auch im aktuellen Berichtsmonat fällt im Vergleich zu den Vorjahren der Anstieg der Arbeitslosenzahl durch die Corona-Krise größer aus als der Rückgang der gemeldeten offenen Stellen. Etwa ein Drittel der steigenden Arbeitslosenzahl ist jedoch darauf zurückzuführen, dass jetzt viele Personen der Arbeitslosenstatistik zugerechnet werden, die aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen können (BA 2020, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt | Mai 2020).

Durch den Vergleich mit den jeweiligen Vorjahreswerten sind die Absolutwerte nicht durch saisonale Schwankungen verzerrt. Es wird deutlich, dass im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich mehr Arbeitslose und weniger Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registriert waren. Dennoch ist die Lücke zwischen Arbeitslosen und gemeldeten Stellen (noch) nicht so groß wie zu Beginn des Beobachtungszeitraumes im Juni 2010. Insbesondere die Zahl der gemeldeten offenen Stellen liegt mit 570.346 noch deutlich über dem Wert aus dem Juni 2010 (370.431).

Die Veränderungen am Arbeitsmarkt betreffen alle Qualifikationsniveaus. Betrachtet man die Veränderungen seit Beginn der Corona-Krise im März dieses Jahres, so sind die Stellen für Helferinnen und Helfer am stärksten zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Juni 2019) ist der größte Stellenrückgang vom Umfang her jedoch bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung zu beobachten (29,9 Prozent). Am geringsten ist die Nachfrage nach Expertinnen und Experten mit (Fach-)Hochschulstudium gesunken (23,7 Prozent).

Die Arbeitskräftenachfrage entwickelt sich in den verschiedenen Berufsbereichen sehr unterschiedlich

Noch heterogener als bei den Qualifikationsniveauszeigt sich der Einbruch der Arbeitskräftenachfrage durch die CoronaKrise in den unterschiedlichen Berufsbereichen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Juni 2019) ist der Bereich „Kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus“ mit minus 43,6 Prozent am stärksten betroffen. Auch im Vergleich zum Krisenbeginn im März 2020 ist die Arbeitskräftenachfrage in diesem Bereich am stärksten zurückgegangen. Im Vergleich zum Vormonat Mai 2020 ist jedoch die Arbeitskräftenachfrage im Bereich „Verkehr, Logistik und Sicherheit“ prozentual noch etwas stärker zurückgegangen. In beiden Bereichen geht die sinkende Arbeitskräftenachfrage mit einer deutlichen Abnahme der Fachkräfteengpässe einher. Im Bereich „Verkehr, Logistik und Sicherheit“ lag die Engpassquote, als Anteil an Stellen, die in Berufen mit Fachkräfteengpässen ausgeschrieben wurden, bei gerade einmal 10,9 Prozent.