Bei der „Data Readiness“ zeigen sich große Unterschiede in den Unternehmensrealitäten. 28 Prozent der Unternehmen weisen einen hohen Digitalisierungsstand hinsichtlich des eigenen Datenmanagements auf und wurden als digital klassifiziert, während 72 Prozent noch weniger digital sind. Mit mehr als 60 Prozent ist auch ein erheblicher Teil der Großunternehmen der Gruppe der weniger digitalen Unternehmen zugehörig. Auffällig ist dabei allerdings, dass weniger digitale Großunternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von mehr als 250 ein ähnliches Antwortverhalten wie digitale Unternehmen aufweisen, ihnen also zwar noch nicht im Handeln, wohl aber bei der Haltung relativ nahestehen.

Das Antwortverhalten der digitalen Unternehmen unterscheidet sich im Übrigen von dem der weniger digitalen Unternehmen über das gesamte Fragespektrum deutlich. Digitale Unternehmen benötigen vergleichsweise mehr Daten aus externen Quellen und weisen eine größere Bereitschaft zum Teilen ihrer Daten auf. Während über die Hälfte der digitalen Unternehmen externen Daten einen hohen Wert beimisst, sieht nur ein Drittel der weniger digitalen Unternehmen einen Vorteil darin. Auch durch ihre größere Bereitschaft zum Teilen von Daten erleben digitale Unternehmen größere Hemmnisse bei der Datennutzung als weniger digitale Unternehmen. Die geringeren Hemmnisse bei der Datennutzung der weniger digitalen Unternehmen können auf das fehlende Bewusstsein des konkreten Nutzens eines Datenaustauschs zurückzuführen sein.

Insgesamt 85 Prozent aller befragten Unternehmen bezeichnen „datenschutzrechtliche Grauzonen“ generell als Hemmnis bei der wirtschaftlichen Nutzung von Daten; die fehlende Rechtssicherheit bei der Anonymisierung von Daten wird als konkretes Beispiel von 73 Prozent genannt.

Eine Datenteilungspflicht, deren Einführung nach der Datenstrategie der Bundesregierung geprüft werden sollen, lehnt mit 85 Prozent eine große Mehrheit der Unternehmen ab. Digitale Unternehmen stehen einer solchen Datenteilungspflicht mit 18 Prozent Zustimmung nur geringfügig positiver gegenüber, während unter den größeren Unternehmen nur jedes zwanzigste die Idee gut findet. Das gilt auch für eine Pflicht, die speziell marktbeherrschende Unternehmen trifft, insbesondere große digitale Plattformen, wie in der Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die im Januar in Kraft trat, enthalten.

Nach den Plänen der Bundesregierung soll das neue europäisches Plattformökosystem GAIA-X die Verbreitung von Cloud-Lösungen und Datenanwendungen in Deutschland und der EU maßgeblich vorantreiben. Allerdings geben nur 6,5 Prozent der Unternehmen an, das Vorhaben GAIA-X zu kennen. Selbst bei den digitalen Unternehmen sind es lediglich knapp 10 Prozent.

Aus den Ergebnissen der Befragung lassen sich folgende Handlungsfelder ableiten, auf deren Basis Politik, Verbände, Institutionen und Unternehmen die Datenwirtschaft stärken können:

  • Datengetriebene Geschäftsmodelle bekannter machen, um die Bereitschaft zum Datenaustausch und Wert von Daten in Unternehmen zu erhöhen;
  • Bestehende datenschutzrechtliche und datenrechtliche Hemmnisse abbauen und keine zusätzlichen Datenteilungspflichten einführen;
  • Marktreife Anwendungen für das europäische Cloud-Projekt GAIA-X zügig verfügbar machen, damit sich digitale Geschäftsmodelle auf Basis eines sicheren Datenaustausch zwischen Unternehmen entwickeln können und ein höherer Bekanntheitsgrad des Vorhabens erzielt wird.