Zur Messung wird ein Reifegradmodell verwendet, das die Unternehmen in zwei Gruppen mit jeweils zwei Untergruppen einteilt. Als „digitalisiert“ werden die Unternehmen bezeichnet, die ihre Prozesse oder Produkte auf Grundlage datenbasierter Modelle virtuell abbilden und vernetzen können (Stufen 3 und 4). Die Unternehmen, die diese Fähigkeit nicht haben oder sie nicht nutzen, werden als „computerisiert“ bezeichnet (Stufen 1 und 2). Dieses Reifegradmodell lag bereits dem Beitrag des IW zur vbw Studie Neue Wertschöpfung durch Digitalisierung aus dem Jahr 2017 zugrunde.

Edgar Schmitz
IW CONSULT

Edgar Schmitz

Referent in der IW Consult

Gut 79 Prozent aller Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Bayern gehören der Reifegradgruppe „computerisiert“ an. Fast die Hälfte ist der Eingangsstufe 1 zugeordnet und rund 30 Prozent der Stufe 2. Gut ein Fünftel der Unternehmen ist folglich „digitalisiert“. Der weit überwiegende Teil davon (fast 19 Prozent) ist der Reifegradstufe 3 zugeordnet, Unternehmen auf der obersten Stufe 4 sind mit etwa zwei Prozent noch sehr selten.

Der Anteil der digitalisierten Unternehmen steigt mit der Unternehmensgröße stark an. Bei den kleinen Unternehmen bis 49 Beschäftigte sind es knapp 21 Prozent, bei den mittelgroßen Unternehmen (50 bis 249 Beschäftigte) beträgt die Quote 31 Prozent und bei großen Unternehmen (ab 250 Beschäftigten) sind es 35 Prozent. Der Anteil der digitalisierten Unternehmen ist in den Dienstleistungsbranchen deutlich höher als in der Industrie.

Ein Fünftel der Umsätze in der gewerblichen Wirtschaft in Bayern entfällt auf die Herstellung digitaler Produkte und auf Dienstleistungen. Diese Quote steigt mit dem digitalen
Reifegrad stark an. Bei den computerisierten Unternehmen liegt dieser Anteil bei 13,5 Prozent, bei den digitalisierten sind es fast 45 Prozent. 19 Prozent der Wertschöpfung der gewerblichen Wirtschaft in Bayern entfallen auf digitale Angebote der Unternehmen (Herstellung digitaler Produkte oder digitale Dienstleistungen). Das entspricht in der gewerblichen Wirtschaft in Bayern einer Wertschöpfung von 71 Milliarden Euro. Hochgerechnet auf die Gesamtwirtschaft ergibt sich für Bayern eine digitale Wertschöpfung von 111 Milliarden Euro.

Diese digitalen Wertschöpfungsanteile nehmen mit dem digitalen Reifegrad der Unternehmen ebenfalls deutlich zu. Vier Fünftel der digitalen Wertschöpfung der gewerblichen Wirtschaft in Bayern entfallen auf die digitalisierten Unternehmen, obwohl diese zahlenmäßig nur einen Anteil von 20 Prozent haben. Dieses Fünftel der Unternehmen ist für die Digitalisierung der Wirtschaft in Bayern sehr entscheidend.  

Die digitale Wertschöpfungsquote (19,1 Prozent) ist insgesamt etwas geringer als die entsprechende Umsatzquote (20,1 Prozent). Der Grund dafür ist, dass die Vorleistungsquoten bei der Erstellung digitaler Produkte (55 Prozent) höher sind als im nicht digitalen Bereich (50 Prozent). Die Unternehmen kaufen bei der Erzeugung digitaler Angebote also mehr von anderen zu als sonst üblich. Besonders ausgeprägt ist das in der Industrie. Das zeigt, dass digitale Ökonomien überdurchschnittlich stark vernetzt sind und deshalb integrierte Wertschöpfungsketten mit zunehmender Digitalisierung an Bedeutung gewinnen.

Bundesweit sind ähnliche Größenordnungen und Strukturen anzutreffen.

Im Vergleich zu 2016 sind deutliche Fortschritte bei der Digitalisierung feststellbar. Aus Datengründen ist diese Analyse auf den Bereich der Industrie und der industrienahen Dienstleistungen beschränkt. Hier ist eine deutlich zunehmende Digitalisierung feststellbar. Für Bayern gilt:

  • Der Anteil der digitalisierten Unternehmen (Reifegradstufen 3 und 4) ist von 19,4 Prozent (2016) auf 22,2 Prozent (2018) gestiegen. Innerhalb der computerisierten Unternehmen hat der Anteil der Stufe 2 von knapp 22 Prozent auf etwa 28 Prozent deutlich zugelegt.
  • Bei der digitalen Wertschöpfung ist ein Zuwachs von 13,8 Prozent (2016) auf 19,6 Prozent (2018) zu verzeichnen. Die der Herstellung von digitalen Produkten oder Dienstleistungen zurechenbare Wertschöpfung ist in Bayern damit von knapp 42 Milliarden Euro (2016) auf 65 Milliarden Euro (2018) gestiegen. Das bedeutet einen Zuwachs von rund 55 Prozent. Das ist eine sehr dynamische Entwicklung, die aber durchaus im Erwartungshorizont liegt, die Unternehmen 2016 für 2018 prognostiziert hatten.

Deutschlandweit ist die digitale Wertschöpfung um 50 Prozent gewachsen. Hochgerechnet auf die gesamte deutsche Wirtschaft kann die den digitalen Produkten und Dienstleistungen zurechenbare Wertschöpfung auf rund 500 Milliarden Euro geschätzt werden – 2016 waren es noch 332 Milliarden Euro. Digitalisierte Unternehmen sind erfolgreicher. Bundesweit haben sie in den letzten drei
Jahren ein deutlich höheres Wachstum bei Umsatz und Beschäftigung zu verzeichnen als die Gegengruppe der computerisierten Unternehmen. Auch die Produktivität ist bei den digitalisierten Unternehmen deutlich stärker gestiegen. Es gibt deshalb so etwas wie eine „digitale Dividende“.

In Zukunft wird die Digitalisierung weitergehen. In fünf Jahren sollen in der gewerblichen Wirtschaft Bayerns rund 30 Prozent der Umsätze auf digitale Produkte entfallen – das sind zehn Prozentpunkte mehr als heute.