Die Bedeutung von Nearsourcing in Bayern Image

Unter Nearsourcing versteht man den Bezug oder die Produktion von Teilen der Wertschöpfungskette im nahegelegenen Ausland. Im Zuge der EU-Osterweiterung haben bayerischen Unternehmen die Möglichkeit, auch tendenziell standortgebundene Tätigkeiten zu verlagern.

Unsere Studie zeigt, dass vor allem die Unternehmen in den Regionen nahe der tschechischen Grenze Nearsourcing nutzen - insbesondere Industrie und Handwerk. Entgegen vielen Befürchtungen hat dies jedoch zu keinen negativen Beschäftigungseffekten geführt. Auch in Ostbayern nahm in den vergangenen Jahren die Arbeitslosigkeit ab und die Beschäftigung stieg an. Allerdings hat es einen Strukturwandel gegeben. Der Anteil lohnkostensensibler Branchen ging zurück. Dies wurde jedoch durch den Beschäftigungsaufbau in hoch-technologisierten Branchen sowie im verbundenen Dienstleistungssektor mehr als kompensiert.

Die Bedeutung des Nearsourcing wird zunehmen. Auch in grenzfernen Regionen werden die Unternehmen vermehrt die Möglichkeit nutzen, ihre Wertschöpfungsketten zu zerlegen und Vorleistungen aus den kostengünstigeren Ländern Mittel- und Osteuropas zu beziehen oder dort zu fertigen. Wertschöpfungsketten können so effizienter gestaltet und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gesteigert werden.

Unternehmen, die der Konkurrenz aus Mittel- und Osteuropa ausgesetzt sind, sehen vor allem in einer Differenzierungsstrategie ihre Chance, die Herausforderung zu meistern. Die Basis bilden dabei Tugenden wie Flexibilität, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit. Die bayerischen Unternehmen schreiben insbesondere der Qualitätsführerschaft eine hohe Wirksamkeit zu. Verbunden wird dies mit speziellen, kundenspezifischen Lösungen, durch die sich die Unternehmen von den Konkurrenten in MOE-Staaten abheben wollen.

Die Rahmenbedingungen in Bayern sind gut. Die Sicherung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist aber eine Daueraufgabe. Eine große Herausforderung stellt die Sicherung des Fachkräftebedarfs dar. Weitere Handlungsfelder sind insbesondere die Begrenzung der Arbeitskosten und der flächendeckende Ausbau einer leistungsfähigken Breitbandversorgung.

Gutachten für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

IW Consult: Die Bedeutung von Nearsourcing in Bayern

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperity
Gastbeitrag, 20. Juni 2017

Hubertus Bardt on KKC International Platform Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperityArrow

In an environment with growing protectionism and the danger of economic disintegration and shocks for the global trade policy system, a free trade agreement between Japan and Europe could set a positive example. Progress in the negotiations are necessary to foster growth and prosperity and to send a message to other countries, that modern market economies rely on good trade relations. mehr

20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

Brexit
IW-Nachricht, 19. Juni 2017

Jürgen Matthes Brexit: Missverständnisse vermeidenArrow

Fast ein Jahr nach dem Referendum beginnen heute die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Die Lage scheint vertrackt, doch in der öffentlichen Debatte wird die bisherige Position der britischen Regierung häufig missverstanden – und damit auch die Chancen für konstruktive Verhandlungen übersehen. mehr