Die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure hat sich im letzten Jahr erstmals seit Jahren entspannt. Der negative Einfluss des Ingenieur-Fachkräftemangels auf Innovationen und Wirtschaftswachstum lässt daher etwas nach. Die Absolventenzahlen sind dank unterschiedlichster Bemühungen aktuell auf heute über 50.000 gestiegen und scheinen auch kurzfristig stabil zu bleiben.

Ursächlich für die Trendwende beim Fachkräftemangel sind einerseits politische Aktivitäten, zum Beispiel die Anpassung des Zuwanderungsgesetzes für qualifizierte Fachkräfte. Dabei darf man nicht nur auf die absolute Zahl der zugewanderten Experten schauen, sondern muss auch andere Effekte berücksichtigen, etwa die Berichterstattung über einen solch politischen Prozess, der angehenden Ingenieuren, Eltern und Abiturienten die positiven Aussichten des Berufsbilds aufzeigt.

Der zweite wichtige Aspekt der Trendwende: Jahrelang wiesen verschiedene Organisationen auf die Mangelsituation hin. Auch der Verein Deutscher Ingenieure zählt seit 2002 zu den Stimmen, die Jahr für Jahr auf den Mehrbedarf der Wirtschaft gegenüber den geringen Absolventenzahlen hinwiesen. Mit rund 100 Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft wurde 2006 die Initiative SACHEN MACHEN gegründet, die über Aktivitäten und Publikationen aktiv den potenziellen technischen Nachwuchs erreichte und begeisterte. Diese Maßnahmen kamen in der Gesellschaft an und haben zur Verbesserung der Anfängerzahlen bei den Ingenieurwissenschaften beigetragen.

Doch wo Licht ist, da herrscht auch Schatten: Noch immer haben wir in einigen Teilen deutlich mehr Nachfrage als Angebot. Besonders betroffen sind der Maschinenbau, der Automobilbau und die Elektrotechnik. Auch den demografischen Wandel dürfen wir nicht vergessen: Ab 2020 sinkt die Zahl der beschäftigten Ingenieure, da mehr in den Ruhestand gehen als aus den Hochschulen nachrücken.

Gutachten in Kooperation mit dem Verein Deutscher Ingenieure

Ina Kayser / Oliver Koppel: Ingenieure auf einen Blick 2013 – Erwerbstätigkeit, Innovation, Wertschöpfung
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Ausländische MINT-Fachkräfte lindern Fachkräftemangel
Interview, 22. November 2017

Axel Plünnecke in Employland Ausländische MINT-Fachkräfte lindern FachkräftemangelArrow

Der Fachkräftemangel im MINT-Bereich hat ein neues Rekordhoch erreicht. Ohne die steigende Zahl der ausländischen Beschäftigten wäre er noch wesentlich höher. IW-Ökonom Axel Plünnecke erklärt im Interview mit dem Blog der Vermittlungsplattform Employland, wodurch das Beschäftigungswachstum ausländischer Arbeitnehmer im MINT-Bereich begünstigt wird. mehr

MINT-Herbstreport 2017
Gutachten, 16. November 2017

Christina Anger / Sarah Berger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2017Arrow

Erfolgreiche Innovationspolitik ist in erster Linie gleichbedeutend mit einer erfolgreichen Fachkräftesicherungspolitik, konkret im Bereich der besonders innovationsrelevanten MINT-Qualifikationen. Hier hat die Arbeitskräftelücke einen neuen Allzeit-Höchststand erreicht und lag Ende September 2017 bei 290.900 Personen, 42,9 Prozent höher als im Vorjahr. mehr