Angesichts des erwarteten Milliardenlochs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird erneut im Arzneimittelbereich nach Sparmöglichkeiten gesucht – gefunden wurden Preismoratorien und Zwangsrabatte. Die Heilungschancen für das kränkelnde System sind allerdings größer, wenn direkte Verhandlungen für mehr Wettbewerb auf dem Arzneimittelmarkt sorgen.

Pharmaunternehmen sollen künftig bei der Einführung neuer, innovativer Medikamente direkt mit den Krankenkassen über die Erstattungskonditionen verhandeln. Einigen sich die Verhandlungspartner nicht innerhalb eines Jahres, droht den Herstellern ein gesetzlicher Höchstpreis. Die Verhandlungslösung ist der richtige Weg – führt der Vertragspoker doch zu mehr Wettbewerb und in der Folge zu einem verbesserten Preis-Leistungs-Verhältnis für neue Medikamente.

Kurzfristig soll ein „Pharma-Soli“ helfen: Für drei Jahre werden die Preise eingefroren; darauf müssen die Pharmaunternehmen den Krankenkassen einen Rabatt von 10 Prozent gewähren. Preismoratorium und Zwangsrabatt satteln auf über zwei Dutzend staatliche Eingriffe auf, die sich mal gegenseitig verstärken, mal widersprechen. Kurzfristiger Aktionismus bringt da wenig: Zum einen sind die Auswirkungen weiterer Eingriffe kaum nachzuvollziehen. Zum anderen fehlen selbst bei Einsparungen von 2 Milliarden Euro, die das Gesundheitsministerium damit realisieren will, immer noch weitere 7 Milliarden Euro, um das zu erwartende Ausgabenplus in der GKV allein in diesem Jahr zu neutralisieren.

Weitere dirigistische Eingriffe widersprechen aber nicht nur dem Bekenntnis der Bundesregierung zu mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem. Sie stellen auch die Bemühungen auf den Kopf, den Forschungsstandort Deutschland zum Beispiel über den Einstieg in die steuerliche Forschungsförderung zu stärken. Weitere Zwangsmaßnahmen auf dem deutschen (Arzneimittel-)Markt könnten potenzielle Investoren verunsichern – Investitionsimpulse drohen zu verpuffen.

Ordnungspolitisches Statement

Forschungsstelle Pharmastandort Deutschland: Verhandlungslösung – ja! Zwangsrabatte – nein!

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

23. Mai 2017

Interview mit Peter Bofinger und Michael Grömling Wie sinnvoll ist aktive Konjunkturpolitik?Arrow

Mit dem Stabilitätsgesetz von 1967 vollzog Deutschland einen radikalen Kurswechsel: Der Staat strebte nun eine aktive Konjunktur- und Wachstumspolitik an. Der iwd hat zwei Experten gefragt, was sie heute von diesem Kurswechsel halten: Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats (SVR) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg, sowie Michael Grömling, Leiter der Forschungsgruppe Konjunktur im IW Köln. mehr auf iwd.de

Interview, 24. Februar 2017

Michael Hüther im Business Insider Deutschland „Das ist doch absurd”Arrow

Im Interview mit dem Business Insider spricht Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, über die von Donald Trump angekündigten Strafzölle, die Pläne von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz – und über das Glücklichsein. mehr