Warum sind die Menschen in den entwickelten Industrieländern in den letzten Jahrzehnten kaum glücklicher geworden, obwohl sich deren objektiven Lebensumstände deutlich verbessert haben? Mit der Beantwortung dieser Frage aus evolutionspsychologischer Sicht setzt das Roman Herzog Institut (RHI) den Auftakt zu seinem Schwerpunktthema „Wachstum, Wohlstand, Wohlbefinden“.

Detlef Fetchenhauer und Dominik H. Enste stellen in der vorliegenden RHI-Diskussion die These auf, dass wir Menschen nicht dazu geschaffen sind, dauerhaft glücklich zu sein. Emotionen wie Glück und Zufriedenheit seien keine Ziele an sich, sondern dienten nur zur Orientierung, um festzulegen, welche Ziele wir verfolgen sollten.

Weiterhin führen die Autoren an, dass ein hoher sozialer Status zwar einen positiven Einfl uss auf unsere Lebenszufriedenheit hat. Da der Status aber immer relativ zu anderen gemessen wird, erhöht der absolute Wohlstandszuwachs einer Nation nicht zwangsläufi g das Wohlbefi nden seiner Bürger. Überraschend ist auch das Argument, dass die Menschen in den modernen Gesellschaften nicht daran gewöhnt seien, die vielen Nachrichten aus den modernen Medien zu verarbeiten. Während früher die Beachtung von negativen Nachrichten überlebens not wen dig war, führe heute die Überfl utung mit Krisenmeldungen dazu, dass die Menschen trotz objektiv besserer Umstände die Welt als schlechter und gefährlicher einschätzten.

Mit dieser Publikation bietet das RHI eine evolutionspsychologische Grundlage für die in den Jahren 2012 und 2013 folgende Debatte, in welcher Wege zu mehr Lebensqualität durch politische und gesellschaftliche Weichenstellungen erörtert werden.