Erwerbstätige sind mit ihrem Leben deutlich zufriedener als Erwerbslose. Der Einfluss der Arbeit auf die Lebenszufriedenheit ist sogar stärker als der des Einkommens. Dabei haben sich die Arbeitsbedingungen und auch die Entlohnung langfristig deutlich verbessert. So hat sich die Kaufkraft der Arbeitnehmerstunde seit 1950 annähernd versechsfacht. Dies ermöglichte auch eine drastische Verkürzung der Arbeitszeit: War Mitte der 1950er-Jahre noch die volle 6-Tage-Woche bei zwei Wochen Urlaub tariflicher Standard, ist heute der Urlaubsanspruch auf sechs Wochen gestiegen und das Wochensoll auf 38 Stunden gesunken. Die tatsächliche Jahresarbeitszeit je Beschäftigten hat sich sogar seit 1950 fast halbiert, auch weil nun fast 40 Prozent der Beschäftigten Teilzeit arbeitet. Die Bedeutung der Nacht- und Schichtarbeit hat sich indes nicht verringert. Denn die Unternehmen müssen ihre Maschinen auslasten und versuchen daher die individuellen Arbeitszeiten der Mitarbeiter und die Betriebslaufzeiten zu entkoppeln. Langfristig deutlich zurückgegangen ist der Krankenstand. Der Anteil der Arbeitnehmer, die aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit in Rente gehen, hat sich sogar von 64 Prozent im Jahr 1960 auf jetzt 21 Prozent reduziert. Für bessere Arbeitsbedingungen spricht auch das verringerte Unfallrisiko: Die Wahrscheinlichkeit, in einen Betriebsunfall verwickelt zu wer-den, ist auf ein Viertel des Werts von 1960 gesunken, und die Zahl der Unfalltoten war 1960 sogar sechsmal so hoch wie heute. Die physischen Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten 20 Jahren etwas verbessert. Zugenommen hat dagegen der Termin- und Leistungsdruck, ohne allerdings die Mitarbeiter vermehrt zu überfordern. Denn es berichten jetzt etwas weniger Berufstätige, an der Leistungsgrenze zu arbeiten, als Ende der 1990er-Jahre. Insgesamt zeigt sich in Deutschland ein positiver Dreiklang aus einer hohen Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, dem Gefühl, selbst eine gute Arbeit zu machen, und der Ansicht, im Beruf Sinnvolles zu tun.