Die Digitalisierung führt zu Veränderungen in der betrieblichen Praxis und geht mit veränderten Qualifikationsanforderungen sowie einem höheren Weiterbildungsbedarf einher. Die IW Consult hat im Auftrag des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) im Rahmen einer Studie beleuchtet, welche Anforderungen sich an Weiterbildung und digitale Bildung für den Arbeitsmarkt der Zukunft ergeben und wie sich die Bedeutung verschiedener Qualifikationen und Kompetenzen in der Unternehmenspraxis entwickeln wird. Kern der Studie bildet eine Befragung von Mitgliedern des BPM und weiteren Personalmanagern aus Deutschland, die mehrheitlich in großen Unternehmen ab 250 Mitarbeitern tätig sind. Die Personalmanager zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie sich bereits heute intensiv mit den Veränderungen der Arbeitswelt 4.0 auseinandersetzen. So berichten zwei Drittel der Befragten, dass sie sich in ihrem Unternehmen im Bereich Personalwesen/HR bereits intensiv mit dem Thema Digitalisierung befasst haben. Auch sind die HR-Manager in Unternehmen tätig, die im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bereits in deutlich höherem Maße neue digitale Technologien nutzen. Zentrale Ergebnisse der Befragung sind:

Beate Placke

Beate Placke

Referentin in der IW Consult

Thomas Schleiermacher

Dr. Thomas Schleiermacher

Leiter Empirie und Methoden in der IW Consult

Qualifikations- und Kompetenzbedarf in einer digitalen Arbeitswelt

- Neben beruflichem Fachwissen werden derzeit beim Gros der Belegschaft insbesondere soziale und personale Kompetenzen sowie IT-Anwenderkenntnisse vorausgesetzt: Für die breite Mehrheit der HR-Manager ist es sehr wichtig, dass ein Großteil ihrer Mitarbeiter über berufliches Fachwissen (86 Prozent), Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit (87,6 Prozent), Veränderungsbereitschaft und Flexibilität (85,1 Prozent), Selbstständigkeit, Planungs- und Organisationsfähigkeit (68,2 Prozent) sowie über IT-Anwenderkenntnisse (65,6 Prozent) verfügt. IT-Fachwissen setzen die Personalmanager dagegen vornehmlich bei ausgewählten Mitarbeitern voraus.

- Bei den betrachteten Kompetenzen und Qualifikationen sehen die befragten Personalmanager ihr Unternehmen unterschiedlich gut aufgestellt. Am besten ist der derzeitige Kompetenzbedarf beim beruflichen Fachwissen gedeckt. Im Bereich der Veränderungsbereitschaft und Flexibilität zeigt sich bei der Deckung des aktuellen Bedarfs dagegen die größte Lücke. Hinzu kommt, dass Veränderungsbereitschaft/Flexibilität bereits heute zu den zentralsten Kompetenzen zählt. Auch wird bei dieser Kompetenz die Bedeutung für die befragten Unternehmen in den kommenden fünf Jahren am stärksten zunehmen.

- Allgemein gilt: Die Anforderungen an die Mitarbeiter werden in den kommenden fünf Jahren steigen. Außerdem erwarten fast alle Personalmanager, dass die Digitalisierung in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich zu zusätzlichen Kompetenzanforderungen an ihre Mitarbeiter (95,7 Prozent) führen wird. Die Mehrheit der HR-Manager ist sich weitgehend darin einig, dass die Bedeutung von sozialen und personalen Kompetenzen, IT-Kompetenzen und beruflichem Fachwissen in den kommenden fünf Jahren in ihrem Unternehmen zunehmen wird. Neben der Veränderungsbereitschaft/Flexibilität werden dabei IT-Anwenderkenntnisse am häufigsten genannt.

Digitales Lernen

- Die Unternehmen der BPM-Befragung setzen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bereits in sehr hohem Maße digitale Lernangebote ein. Ganz vorne liegen dabei die Nutzung von computer- oder webbasierten Selbstlernprogrammen, die Bereitstellung von Lernmaterialien in elektronischer Form und die Nutzung interaktiven webbasierten Lernens.

- Für alle betrachteten digitalen Lernmedien gilt, dass sich der Einsatz in der Praxis bewährt hat: Die Unternehmen, die ein Lernmedium bereits nutzen, sind sich quasi darin einig, dass dieses für den erfolgreichen Einsatz im Rahmen der eigenen Aus- und Weiterbildungsaktivitäten geeignet ist.

- Digitale Lernspiele, wie Simulationen oder Quizze, werden von einem Großteil der befragten HR-Manager als zukunftsweisende Lernmethode angesehen. In der Praxis wird diese Lernmethode allerdings noch vergleichsweise selten genutzt.

- Einen großen Mehrwert der digitalen Lernangebote sehen die HR-Manager darin, dass sich diese gut in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Daneben erachten die Personalmanager vor allem die Kombination von digitalen Lernmedien mit Präsenzphasen im Rahmen von Blended Learning als vorteilhaft. Am seltensten sind die HR-Manager dagegen der Ansicht, dass digitale Lernmedien zu besseren und nachhaltigeren Lernergebnissen führen als herkömmliche Methoden.

- Hinsichtlich der Förderung verschiedener Kompetenzen zeigt sich beim digitalen Lernen ein wenig überraschendes Bild: Bislang werden digitale Lernmedien in den befragten Unternehmen vornehmlich zur Vermittlung von beruflichem Fachwissen und IT-Kenntnissen eingesetzt. Zur Förderung von sozialen und persönlichen Kompetenzen kommen diese bislang deutlich seltener zum Einsatz.

- In den kommenden fünf Jahren wird der Einsatz von digitalen Lernmedien in fast allen befragten Unternehmen zunehmen. Mehr als die Hälfte der HR-Manager geht sogar von einem deutlichen Anstieg aus. Auch wenn der Umfang von klassischen Lernmedien in den kommenden fünf Jahren aus Sicht der Personalmanager voraussichtlich eher rückläufig sein wird, bleiben diese für die befragten Unternehmen weiterhin relevant, da meist nur ein leichter Rückgang der klassischen Lernmedien prognostiziert wird.