Zusätzlich wurde erstmals auch nach der Bedeutung von Auslandserfahrung für den späteren Karriereverlauf gefragt. Neben der Ausweitung des Untersuchungsgegenstands wurde auch methodisch ein zukunftsweisender Ansatz gewählt. Personaler wurden danach gefragt, welche Kompetenzen für sie bei der Einstellung und späteren Auswahl von Führungskräften ausschlaggebend sind. Der Abgleich dieser empirisch ermittelten Kompetenzen mit den Kompetenzen, die die Forschungsliteratur Auslandserfahrung zuschreibt, zeigt eine große Deckungsfähigkeit, die aus den nachfolgenden acht Abschnitten dieser Kurzfassung ersichtlich wird.

Für den Zeitpunkt des Übergangs in den Arbeitsmarkt spielt ein Auslandsaufenthalt weiterhin eine wichtige Rolle. Angesichts der absolut gestiegenen Zahl von Absolventen, die während ihres Studiums im Ausland studiert oder ein Praktikum gemacht haben, hat sich der Stellenwert dieser Rollen jedoch etwas verändert. Mit Blick auf die drei vorherigen Befragungen lässt sich feststellen, dass ein Auslandsaufenthalt sein Alleinstellungsmerkmal ein Stück weit verloren hat.

Im Vergleich mit anderen Merkmalen wie beispielsweise fachlicher und sozialer Kompetenz ist dieser weniger relevant. Wie ist dies zu bewerten? Ist Auslandserfahrung nicht mehr wichtig? Aufschlussreich bei der Bewertung dieses Befunds ist zusätzlich, dass Englisch- oder Fremdsprachenkenntnisse allgemein bei der Befragung als Einstellungskriterium geringe Bedeutung hatten. Sollten Englischkenntnisse keine Rolle mehr spielen? Im Gegenteil – es gibt Hinweise darauf, dass Englischkenntnisse als conditio sine qua non gelten. So sollte man auch die scheinbar schwächere Bewertung der Auslandserfahrungen sehen: sie ist weiter sehr gefragt, hat aber relativ an Bedeutung verloren, weil sie heute verbreiteter als noch vor Jahren bei früheren Befragungen ist. 

Erstmals untersucht wurde bei der aktuellen Befragung, inwieweit Auslandserfahrung für den weiteren Karriereweg von Hochschulabsolventen eine Rolle spielt. Zunächst kann festgehalten werden, dass diese für bestimmte Arbeitgeber, nämlich für Unternehmen mit Auslandsaktivität und in noch stärkerem Maße für Unternehmen mit Mitarbeitenden im Ausland, wichtig sind.

Weiterhin gibt es in solchen Unternehmen häufiger spezielle Einstiegsprogramme für künftige Führungskräfte, die ausschließlich Bewerbern mit Auslandserfahrung offenstehen. Schließlich kann beobachtet werden, dass auslandserfahrenen Mitarbeitenden häufiger Aufgaben mit Auslandsbezug übertragen werden. Wer in mehreren Sprachen kommunizieren möchte, Dienstreisen spannend findet und eine zeitweise Entsendung ins Ausland in Betracht ziehen würde, hat größere Chancen eine solche Aufgabe zu übernehmen, wenn er schon im Studium im Ausland war. 

Interessant ist, dass als unerlässliche Kompetenzen von Hochschulabsolventen viele Personaler hohe soziale Kompetenzen in den Fokus rücken, die durch Auslandserfahrung nachweislich gestärkt werden. Aus Arbeitgebersicht sind bei der Bewerberauswahl für Führungspositionen – neben der Fachkompetenz – unter den Sozialkompetenzen vor allem Kommunikationsfähigkeit, Motivationsfähigkeit, Offenheit und Belastbarkeit am wichtigsten, gefolgt von Konfliktfähigkeit, Durchhaltevermögen sowie Flexibilität. Im Karriereverlauf und bei Beförderungen spielen soziale und persönliche Kompetenzen im Vergleich zu den fachlichen eine noch größere Rolle als bei der Einstellung. Ferner verlieren formale studienbezogenen Details wie Abschlussnote oder Auslandserfahrung im Studium hier an Gewicht, während berufliche Erfahrung, erfolgreich abgeschlossene Projekte und Weiterbildung im Vordergrund stehen. Die ausschlaggebenden sozialen und persönlichen Kompetenzen sind trotzdem dieselben wie bei der Einstellung; auf die Führungsposition bezogen werden diese vor allem benötigt, um sich auf unterschiedlichste Menschen einstellen zu können und mit unklaren Situationen umgehen zu können. Arbeitgeber mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ausland bewerten letzteres am höchsten, fast genauso wichtig für eine Führungsposition ist die Fähigkeit, Veränderungen im Unternehmen auch bei Widerständen voranbringen zu können.