Der negative Effekt der Corona-Krise nimmt damit erstmals wieder leicht ab. Da die Ingenieurarbeitgeber weiterhin versuchen, ihr Stammpersonal zu halten, viele von ihnen jedoch vorübergehend auf Neueinstellungen verzichten, betrifft dieses Problem insbesondere jüngere Ingenieur*innen mit auslaufenden Projektverträgen sowie Berufseinsteiger*innen.

Langfristig wird der Bedarf an Ingenieur*innen und Informatiker*innen deutlich steigen. Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel führen dazu, dass mehr Expert*innen mit diesen Kompetenzen benötigt werden. Das Schlaglicht dieses Berichts analysiert mögliche Effekte der Corona-Krise auf das künftige langfristige Angebot an Ingenieur*innen und Informatiker*innen auf dem Arbeitsmarkt. Im Zuge der Corona-Krise kam es im Frühjahr 2020 und Winter 2020/2021 zu insgesamt mehrmonatigen Schulschließungen. Empirisch können die Effekte der Schulschließungen auf die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler durch internationale Studien zu Lehrerstreiks und erste internationale Untersuchungen nach dem ersten Lockdown abgeschätzt werden. Im Ergebnis zeigen diese Untersuchungen, dass erhebliche Verluste an Kompetenzen im Lesen und der Mathematik bei den Schülerinnen und Schülern resultieren dürften. Die Verluste sind dabei den Untersuchungen zufolge bei Kindern an Grundschulen höher als bei Schülerinnen und Schülern in weiterführenden Schulen, die besser durch digitalen Fernunterricht Lernverluste kompensieren können. Die Verluste sind zudem besonders groß bei Kindern aus bildungsfernen Haushalten, die häufig weniger gut bezüglich der Lerninfrastruktur (eigenes digitales Endgerät, ruhiger Platz zum Arbeiten) ausgestattet sind und bei denen die Eltern weniger gut den Lernprozess der Kinder zu Hause unterstützen können.

Überträgt man erste internationale Studien auf die Situation in Deutschland, wo die Ausgangslage für digitalen Fernunterricht vor der Corona-Krise sogar ungünstiger war, so ist zu vermuten, dass die Fortschritte bei den PISA-Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften ohne zusätzliche unterstützende Maßnahmen der Bildungseinrichtungen wieder verloren gehen dürften. Mit sinkenden Kompetenzen dürften auch die Erfolge bei den Studierendenquoten in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik langfristig nicht zu halten sein oder die Hochschulen werden stärker damit herausgefordert, bestehende Lücken zu schließen. Bereits in den nächsten Jahren dürften sich die auch coronabedingt sinkenden Studienanfängerzahlen negativ auswirken. So nimmt aktuell die Zuwanderung aus dem Ausland zu einem Studium in Deutschland ab. Von der Zuwanderung von internationalen Studierenden konnten in der Vergangenheit die Ingenieurwissenschaften und Informatik besonders profitieren.

Langfristig ist es daher wichtig, die Chancen der Digitalisierung auch im Bildungswesen zu nutzen. Die Schulen sollten bei der Digitalisierung weiter vorankommen, hierzu sind auch mehr IT-Kräfte an den Schulen nötig, um die Digitalisierung entsprechend durch Expert*innen und Spezialist*innen begleiten zu können. Ferner sollte intelligente Lernsoftware entwickelt werden, die mit dabei helfen kann, aufgetretene Lernrückstände zu schließen, damit langfristig ein Einbruch beim Angebot an Informatiker*innen und Ingenieur*innen zu reduzieren