Der Fachkräftemangel weitet sich aus.

Die Fachkräftesituation hat sich 2016/2017 noch einmal deutlich verschärft. Inzwischen werden 66 Prozent aller offenen Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben. Dies bedeutet, dass zwei von drei Stellen von Unternehmen nur schwer, mit großer Zeitverzögerung oder gar nicht besetzt werden können. Dabei liegen in 44 Prozent der von solchen Besetzungsproblemen betroffenen Berufe anhaltende Engpässe vor, die nun schon seit fünf Jahren oder länger andauern. Damit ist die Arbeitsmarktsituation in vielen Berufsfeldern als sich verfestigender Fachkräftemangel zu beschreiben.

Vor allem beruflich Qualifizierte fehlen.

Am häufigsten fehlen Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Die überwiegende Mehrheit der in Engpassberufen ausgeschriebenen Stellen entfällt auf diese Gruppe. Anteilig betrachtet sind die Engpässe jedoch in Expertenberufen am weitesten verbreitet. Bei beruflich Qualifizierten sind Engpässe insbesondere bei Technikern, Handwerkern und Pflegekräften zu verzeichnen. In
den Gesundheitsberufen fehlen viele Spezialisten. An Experten mangelt es insbesondere in MINT-Berufen.

Der Süden ist besonders vom Fachkräftemangel betroffen, die Zunahme ist in Thüringen am stärksten.

Im regionalen Vergleich sind die Engpässe bei Fachkräften aller Niveaus in den südlichen Bundesländern am stärksten ausgeprägt. Zudem hat sich insbesondere die Fachkräftesituation in Ostdeutschland verschärft. So ist Thüringen inzwischen nach Baden-Württemberg das Bundesland mit den stärksten Fachkräfteengpässen. Allerdings sind auch einzelne Regionen in anderen Bundesländern stark von Engpässen betroffen. Hierzu zählen beispielsweise die Arbeitsagenturbezirke Nordhorn und Marburg.

Ungleichgewichte am Ausbildungsmarkt nehmen zu.

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen erreichte im Ausbildungsjahr 2016/2017 ein neues Rekordhoch. Zugleich stieg jedoch auch die Zahl der unversorgten Bewerber. Vielerorts gelingt es zunehmend schlechter, Bewerber und angebotene Ausbildungsplätze zusammenzubringen. Die größten Ungleichgewichte sind in Ostdeutschland zu verzeichnen, wo viele unbesetzte Ausbildungsplätze mit
zahlreichen unversorgten Bewerbern einhergehen, obwohl dort demografisch bedingt immer weniger Jugendliche nachrücken. In Süddeutschland sind ebenfalls viele unbesetzte Ausbildungsplätze zu verzeichnen; allerdings können dort fast alle Bewerber versorgt werden. Besonders knapp sind Auszubildende im Gastronomie- und Lebensmittelhandwerk sowie im Verarbeitenden Gewerbe.

Internationale Fachkräfte wirken der Alterung entgegen und verringern den Fachkräftemangel – insbesondere dort, wo die Wirtschaft boomt.

Insbesondere in Städten und im Süden von Deutschland setzen Arbeitgeber verstärkt auf internationale Fachkräfte. Die meisten internationalen Fachkräfte stammen aus dem europäischen Ausland. Arbeitskräfte aus Nicht-EUStaaten sind am häufigsten unter den Experten in Engpassberufen zu finden. Insgesamt sind internationale Fachkräfte deutlich jünger als deutsche und wirken somit der Alterung der Beschäftigten entgegen. Besonders stark ist der Altersunterschied zwischen internationalen und deutschen Fachkräften in Expertenberufen, das heißt bei Akademikern mit Master und Diplom.

Ältere Beschäftigte können durch Teilzeit länger im Betrieb gehalten werden.

Viel Potenzial steckt auch in älteren Fachkräften. Bei der Beschäftigung Älterer gibt es bereits positive Trends. Insbesondere Frauen in Engpassberufen bleiben heutzutage länger im Beruf. Über das Alter von 65 Jahren hinaus ist Teilzeitbeschäftigung sehr verbreitet. Besonders Männer bleiben mit reduzierter Arbeitszeit länger im Betrieb.

Gerade in Engpassberufen gibt es noch Potenziale bei Frauen nach der Familienphase.

Während der typischen Familienphase – das heißt in Altersgruppen, in denen Beschäftigte vermehrt Eltern werden – nimmt der Frauenanteil sowohl in Engpassberufen als auch in Nicht-Engpassberufen deutlich ab. In Berufen ohne Fachkräfteengpass ist zu beobachten, dass der Frauenanteil nach der Familienphase wieder höher liegt. In Engpassberufen bleibt der Frauenanteil nach der Familienphase jedoch geringer, sodass bestehende Fachkräftepotenziale ungenutzt bleiben.

Geschlechtstypische Berufe sind deutlich häufiger von Engpässen betroffen.

In geschlechtstypischen Berufen gibt es deutlich mehr Fachkräfteengpässe als in Berufen, die zu etwa gleichen Teilen von Frauen und  Männern ausgeübt werden. In Männerberufen werden inzwischen jedoch langsam aber stetig mehr Frauen eingestellt. In Nicht-Engpassberufen ist diese Entwicklung allerdings deutlicher als in Engpassberufen. Männertypische Engpassberufe sollten folglich für Frauen und frauentypische Berufe für Männer attraktiver werden, um die Engpässe abzubauen. In frauentypischen Berufen ist der Männeranteil zwar bereits etwas höher, stagnierte jedoch zuletzt.