Die Mittelschicht ist ein wichtiger Pfeiler der deutschen Gesellschaft, aber es ranken sich auch viele Mythen um sie. Diese Mythen basieren vielfach auf einseitigen Interpretationen der vorliegenden Daten oder lassen sich in der Realität gar nicht bestätigen. So zeigt sich weder ein langfristiger Trend zur Schrumpfung der Mittelschicht noch eine deutliche Zunahme der Einkommensunterschiede zwischen den Schichten. Statistisch gemessene Abstiege aus der Mittelschicht sind zudem vielfach nicht die Folge von Einkommenseinbußen, sondern ergeben sich aufgrund der Definition der Mittelschicht und veränderten gesellschaftlichen Strukturen. Der Aufstieg in die Mittelschicht aus der unteren Einkommensschicht ist generell nicht leicht, aber in Deutschland auch nicht schwieriger als in Ländern wie beispielsweise den USA. Außerdem kann auch eine heterogene Gesellschaft, sofern gute Aufstiegschancen bestehen, sozialen Frieden und soziale Gerechtigkeit bieten.

Trotzdem bestehen im Zusammenhang mit der Mittelschicht in Deutschland auch Probleme: So ist die soziale Aufwärtsmobilität aus der unteren Einkommensschicht in die Mittelschicht zwar durchaus gegeben, aber dennoch ausbaufähig und förderungsbedürftig. Die diesbezügliche subjektive Wahrnehmung der Bundesbürger ist jedoch deutlich pessimistischer als in anderen Nationen. Auch die Diskrepanzen zwischen der subjektiven Abstiegsangst und dem objektiven Abstiegsrisiko sind auffallend. Besorgniserregend ist dies vor allem, weil es den Nährboden für Forderungen nach einem starken sozialen Sicherheitsnetz bilden kann, das häufig mit Fehlanreizen und im Extremfall mit Sozialstaatsfallen verbunden ist. In der Folge reduzieren sich auch die tatsächlichen Aufstiegschancen. Da Deutschland aber deutlich chancengerechter ist, als es wahrgenommen wird, kann dieser Kreislauf durch das Verfolgen der sogenannten A + B = C Gleichung durchbrochen werden: Mit Einstieg durch Arbeit (A) und Aufstieg durch Bildung (B) kann Chancengerechtigkeit (C) hergestellt werden. Dieses Leitbild verlangt nach einer Politik, die eine selbstbestimmte Lebensführung und Aufstiegsmobilität durch Bildungs- und Erwerbsintegration als Weg in die gesellschaftliche Mitte ermöglicht. So lassen sich eine höhere Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft und eine größere Zufriedenheit der Menschen in Deutschland erreichen.

Studie

Mythen über die Mittelschicht – Wie schlecht steht es wirklich um die gesellschaftliche Mitte?

IconDownload | PDF

Soziale Mobilität
IW-Pressemitteilung, 27. März 2017

Soziale Mobilität Stabiler NiedriglohnsektorArrow

Im Bundestagswahlkampf rücken die Themen Gerechtigkeit und Verteilung wieder stärker in den Blick. Häufig geht es um die Sorge vor sozialem Abstieg und Armutsgefährdung. Doch entgegen vieler Erwartungen zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW): Die Zahl der Geringverdiener ist seit Jahren stabil. mehr

Empirische Befunde zur Lohn- und Einkommensmobilität in Deutschland
IW-Trends, 20. März 2017

Holger Schäfer / Jörg Schmidt Einmal unten – immer unten? Arrow

Die Debatte um die Verteilungsgerechtigkeit wird bisweilen mit großer Schärfe geführt. Darin spielen traditionell Indikatoren zur Ungleichheit eine große Rolle, die in der Regel nur eine Momentaufnahme liefern. Allerdings dürfen auch Kennzahlen zur sozialen Mobilität nicht außer Acht gelassen werden. mehr

Deutschlands Mittelschicht ist stabil – gehören Sie dazu?
Gastbeitrag, 15. März 2017

Michael Hüther auf welt.de Deutschlands Mittelschicht ist stabil – gehören Sie dazu?Arrow

Der deutschen Mittelschicht ergeht es angeblich schlecht: schrumpfen soll sie, erodieren oder gar zerbrechen. Doch ein nüchterner Blick auf die Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt ein anderes Bild. Ein Gastbeitrag IW-Direktor Michael Hüther auf welt.de. mehr