Auf der Elektromobilität ruhen große Hoffnungen. Da die Ölreserven der Erde endlich sind und der Ölpreis steigen wird, soll Strom als alternativer Kraftstoff im Straßenverkehr einen Ausweg aus dieser „Kostenfalle" aufzeigen. Zudem erhofft man sich einen Beitrag zum Klimaschutz, wenn der Strom für Elektrofahrzeuge durch erneuerbare Energien erzeugt wird.

Da die Marktdurchdringung der E-Mobilität nur allmählich erfolgt, schätzen wir die First-Mover-Vorteile von Unternehmen gering ein. Eine Herausforderung für die Autoindustrie ist es, F&E-Aktivitäten hochfahren zu müssen, ohne dass diesen Investitionen kurzfristig ein entsprechender Markt gegenüberstünde. Gleichzeitig müssen Autobauer die Energieeffizienz der konventionellen Antriebe stetig verbessern, die weiterhin das Kerngeschäft darstellen.

In Deutschland können batterieelektrische Autos (BEV) im Jahr 2020 bei hoher staatlicher Förderung und schnellem technischen Fortschritt einen Marktanteil an den Pkw-Neuzulassungen von 6% bis 8% erreichen. Ökonomisch wünschenswert wäre jedoch, wenn sich die Technologie primär aufgrund des technischen Fortschritts durchsetzte; dann dürfte der Marktanteil die 3%-Marke im Jahr 2020 aber wohl nicht überschreiten.

Insgesamt sorgen vor allem die hohen Kosten der E-Mobilität dafür, dass sie in den kommenden Jahren ein Nischenmarkt bleiben wird. Sinkende Kosten sind daher die wichtigste Bedingung, um das langfristig große Potenzial der Elektrifizierung des Antriebsstrangs heben zu können.

Rohstoffverfügbarkeit, Stromverbrauch und -herkunft sowie Ladeinfrastruktur sind ein zweitrangiges Problem. Auch die Reichweite der Fahrzeuge ist zunächst kein K.O.-Kriterium; die potenziellen Erstkunden werden sich an diesen limitierenden Faktor anpassen.

Um Leitanbieter in der E-Mobilität zu werden, sind viele Fachkräfte notwendig. Wir schätzen, dass allein der jährliche Bedarf an Akademikern relevanter Fachrichtungen von aktuell rund 20.000 auf etwa 26.000 Personen im Jahr 2020 steigen wird. Diesen Bedarf zu decken, wird eine große Herausforderung für die Branche. Die staatliche Förderung der E-Mobilität ist ein schmaler Grat. Kaufprämien sind teuer – und das Gegenteil von Technologieoffenheit. Die Unterstützung der Grundlagenforschung ist dagegen zu befürworten. Auch die Mehrfachanrechnung von BEV auf das CO2-Flottenziel der Hersteller könnte ein Hebel sein.

Unter dem Strich gleicht der Weg in die elektromobile Zukunft einer Evolution und nicht einer Revolution. BEV sind dabei nur eine Option. Im Spektrum der E-Mobilität stehen Plug-in-Hybride (PHEV) und Autos mit Range Extender (REEV) in direkter Konkurrenz zu ihm. Als wirtschaftlichste Alternative kommen auf Mittel- und Langstrecken vorerst verbrauchsoptimierte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und insbesondere im Stadtverkehr Voll-Hybrid-Autos in Frage.

Gutachten

Eric Heymann / Oliver Koppel / Thomas Puls: Elektromobilität – Sinkende Kosten sind conditio sine qua non
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