Die Krux: Die Mieten steigen vielerorts schneller als die Löhne, so dass die Wohnkostenbelastungen zunehmen. Viele Haushalte partizipieren folglich nicht an der aktuell sehr dynamischen Konjunktur und den seit Jahren stetig steigenden Beschäftigungszahlen und Einkommen.

In den aktuellen Wahlkämpfen stehen daher Maßnahmen gegen die Wohnungsnot und für bezahlbaren Wohnraum im Zentrum. Die aktuelle Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD visiert in ihrem Koalitionsvertrag vom 7. Februar 2018 den Bau von 1,5 Mio. Wohnungen an. Dies entspricht für die vier Jahre der Legislaturperiode bis 2021 rund 375 000 Wohnungen pro Jahr und damit auch den tatsächlichen Bedarf (vgl. Henger et al. 2017). Auch ein eigens ausgerufener Wohnungsgipfel mit Vertretern aus Bund, Ländern, Kommunen und Verbänden der Immobilienwirtschaft hat sich diesem Thema am 23. September 2018 gewidmet. Das Ergebnis ist eine lange Liste verschiedener Maßnahmen (vgl. BMI 2018). Die Liste überzeugt jedoch nicht. Die zentralen Maßnahmen wie z.B. das Baukindergeld (1 200 Euro pro Kind für zehn Jahre beim Kauf einer Eigentumswohnung, Antragstellung bis zum 31. Dezember 2020) und die beschleunigten Abschreibungen für Mietwohnungen (plus 5% für vier Jahre, begrenzt für Herstellungs- und Anschaffungskosten bis 3 000/ m², Bauantrag bis zum 31. Dezember 2021) setzen an der Nachfrage nach Immobilien an, die aber nicht das Problem darstellt. Außerdem enthält die Liste des Wohnungsgipfels viele Maßnahmen, die vermeintlich leicht (vom Bund) umzusetzen sind. Ein Großteil der Punkte war zudem schon vorher geplant und abgestimmt.

Der Beitrag zeigt auf, dass der Schlüssel des Wohnungsnotproblems bei der Ausweitung des Angebots und dem richtigen Mix flankierender Maßnahmen darstellt. Vor allem die Städte und Gemeinden in den Ballungszentren müssen hierbei einen Politikwechsel vollziehen. Schließlich verfügen sie in Deutschland über die Planungshoheit. Der Bund und die Länder können nur den richtigen Rahmen setzen.