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Der deutsche Arbeitsmarkt läuft auf Hochtouren: Die Arbeitslosenquote liegt mit 6,8 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit der Wiedervereinigung. Die Anzahl der Erwerbstätigen ist mit über 44 Millionen Personen so hoch wie nie, die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt kontinuierlich. Selbst die Anzahl der Langzeitarbeitslosen ist leicht zurückgegangen und auch die Reallöhne bei den Geringverdienern haben deutlich zugelegt, wie das DIW jüngst nachgewiesen hat.

Trotz dieser positiven Entwicklung arbeitet sich die öffentliche Debatte an der These ab, die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich immer weiter. Die Konfrontation mit den Fakten offenbart zwar eine seit einem Jahrzehnt robuste gesellschaftliche Mitte. Auch die (Ungleich-)Verteilung der Nettohaushaltseinkommen bewegt sich auf einem Niveau, das im internationalen Vergleich einem Platz im vorderen Mittelfeld entspricht (Abbildung 1). Dennoch hält sich hartnäckig die Vermutung, dass in Deutschland sozialer Aufstieg nahezu unmöglich sei: Kinder aus reichen Elternhäusern blieben reich, Kinder aus armen Elternhäusern würde dagegen der soziale Aufstieg weitgehend verwehrt.

Genau hierzu sorgte ein Befund des Ökonomen Raj Chetty und seiner Kollegen für die US-amerikanische Gesellschaft Anfang des letzten Jahres für große Aufregung. Demnach sind immer weniger US-Kinder in der Lage, mehr als ihre Eltern in einem vergleichbaren Lebensabschnitt zu verdienen. Damit rüttelt die Studie an einem Eckpfeiler der amerikanischen Gesellschaft.

Auch wenn das Motto „vom Tellerwäscher zum Millionär“ nicht eins zu eins für das Wohlstandsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft steht, so gibt es doch auch in unserer Gesellschaft die Hoffnung, dass es den Kindern einmal besser gehen möge als den Eltern – mindestens aber genauso gut. Mit der vorliegenden Studie untersucht das IW deshalb, inwieweit Zweifel an den Aufstiegschancen auch in Deutschland begründet sind.