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(© Foto: Promintzer Christian - Fotolia)
Pressemitteilung Nr. 26 13. Juni 2005 Tarifpolitik

Wettbewerb als Streikbrecher

In den meisten Industrieländern sind Streiks im Produzierenden Gewerbe wesentlich häufiger als im Dienstleistungssektor. So fielen im deutschen Verarbeitenden Gewerbe, in der Baubranche, im Bergbau und im Energiesektor von 1981 bis 2003 im jährlichen Schnitt je 100 Mitarbeiter 33 Arbeitstage durch Arbeitskämpfe aus, in den Servicebranchen dagegen nur 4 Tage.

Im besonders streikfreudigen Spanien gingen seit 1981 im Jahresschnitt im Produzierenden Gewerbe 458 Tage je 1.000 Beschäftigte durch Arbeitsniederlegungen verloren; bei den Dienstleistern waren es lediglich 169 Tage. Zugleich hat das gesamtwirtschaftliche Ausmaß der Arbeitskonflikte in den meisten Ländern stark abgenommen. In Italien etwa sank die Zahl der streikbedingten Ausfalltage je 1.000 Arbeitnehmer seit der ersten Hälfte der achtziger Jahre bis zum Zeitraum 2001 bis 2003 um mehr als 600, in Deutschland immerhin um 46. Dieser Rückgang ist allerdings – anders als zuweilen behauptet – nur zu einem kleinen Teil darauf zurückzuführen, dass die Beschäftigung in der streikanfälligeren Industrie im Vergleich zu den Dienstleistungsbranchen geschrumpft sei und sich damit die Zahl der Streiktage quasi automatisch reduziert hätte. Entscheidender als der Strukturwandel ist vielmehr der gestiegene internationale Wettbewerbsdruck gewesen. Denn die Gewerkschaften haben sich der Einsicht beugen müssen, dass erstreikte überzogene Lohnabschlüsse in Zeiten der Globalisierung die betroffenen Unternehmen dazu zwingen, die Produktion und damit Jobs ins Ausland zu verlagern.

Hagen LeschArbeitskämpfe und Strukturwandel im internationalen Vergleichgefördert von der informedia-Stiftung – Gemeinnützige Stiftung für Gesellschaftswissenschaften und Publizistik KölnIW-Trends 2/2005

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