1. Home
  2. Presse
  3. Pressemitteilungen
  4. Fake-News-Experiment zur Kommunikation zwischen Bürgern und Parlamentariern
Zeige Bild in Lightbox
(© Foto: GettyImages)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Matthias Diermeier Pressemitteilung 11. August 2021

Fake-News-Experiment zur Kommunikation zwischen Bürgern und Parlamentariern

Dass sich Bürger und ihre Repräsentanten entfremdet haben, ist eine gängige Zustandsbeschreibung westlicher Demokratien. Ein wirtschaftspolitisches Fake-News-Experiment des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit 2.500 deutschen Bundestags- und Landtagsabgeordneten zeigt, dass Politiker etablierter Parteien Bürgeranfragen unabhängig von deren inhaltlicher Ausrichtung ernst nehmen und seriös beantworten. Weniger sorgsam gehen allerdings AfD-Parlamentarier mit den Anfragen potenzieller Wähler um.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Generell fällt es den Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland schwer, sozio-ökonomische Problemlagen korrekt einzuschätzen. Laut einer IW-Umfrage aus dem Sommer 2020 überschätzen AfD-Anhänger die Arbeitslosenquote von Immigranten mit 48 Prozent deutlich – der offizielle Wert betrug 14,4 Prozent. Grünen-Anhänger hingegen unterschätzen den Anteil von Erneuerbaren Energien im Stromverbrauch um 10 Prozentpunkte (35 Prozent gegenüber dem offiziellen Wert 2020 von 45,4 Prozent). Mittels einer fingierten Bürgeranfrage, die jeweils eine dieser Überschätzungen oder eine Kontrollfrage beinhaltete, wurden 2.503 deutsche Parlamentarier auf Bundes- und Landesebene um Einordnung des jeweiligen Themenkomplex gebeten. Das Studiendesign wurde vorab mit der Ethik-Kommission der Universität Duisburg-Essen abgestimmt.

Responsivität folgt keinem themenspezifischen Muster

Die Abgeordneten zeigen sich trotz der nicht personalisierten Anfrage mit einer Rücklaufquote von insgesamt 50 Prozent beeindruckend responsiv; bei den Mitgliedern des Deutschen Bundestages antworteten sogar 64 Prozent. Lediglich AfD-Parlamentarier blieben mit einer Antwortquote von nur 39 Prozent deutlich hinter den anderen Parteien zurück. Selbst in der Frage, ob wirklich fast die Hälfte der Immigranten arbeitslos seien, erwiesen sich die AfD-Vertreter als wenig kontaktfreudig mit ihren potenziellen Wählern. Ebenfalls ohne Auswirkungen auf die allerdings deutlich höhere Antwortquote blieb bei den Parlamentariern der Grünen, wenn sie mit der Anfrage zum Ausbau erneuerbarer Energien kontaktiert wurden. Die geringen themenspezifischen Unterschiede in den Rücklaufquoten deuten auf eine hohe intrinsische Motivation bei den Abgeordneten und ihren Mitarbeitern hin, auch Fragen zu beantworten, die nicht zu den klassischen Leib-und-Magen-Themen der jeweiligen Partei gehören.

AfD-Parlamentarier neigen zum Tolerieren von Fake News

Einer Regressionsanalyse zufolge besteht eine rund sieben Mal so hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein AfD-Parlamentarier eine Fehlinformation toleriert als bei einem Politiker der anderen Parteien. Insbesondere die Fehlinformationen in der Migrationsanfrage ließen sie unkommentiert durchgehen; fast die Hälfte der Angefragten nahm keine Richtigstellung vor. Grünen Parlamentariern wiederum kann kein strategisches Tolerieren von Fehlinformationen nachgewiesen werden. Selbst bei der Klimaanfrage, die auf unter Grünen-Anhängern kursierenden Fehlannahmen basiert, widersprachen 93 Prozent bzw. stellten den Sachverhalt richtig.

Erste qualitative Auswertungen lassen mit Ausnahme der AfD bei allen Parteien ein hohes Niveau der Antworten erkennen: „Das Kommunikationsverhalten von Parlamentariern etablierter Parteien macht mit Blick auf einen ehrlichen evidenzbasierten politischen Diskurs Mut“, sagt IW-Ökonom Matthias Diermeier. „Lediglich AfD-Politiker weisen einen laxen Umgang mit Fake-News auf. Es bleibt kaum eine Gelegenheit ungenutzt, gerade wenn sich vermeintliche Fakten gegen etablierte Parteien oder Institutionen instrumentalisieren lassen.“

zum Download
An experimental approach to parliamentarians’ toleration of misinformation and responsiveness in Germany
Matthias Diermeier auf Regierungsforschung.de der NRW School of Governance Externe Veröffentlichung 11. August 2021

Tailoring the Truth: An experimental approach to parliamentarians’ toleration of misinformation and responsiveness in Germany

zum Download Zitieren

Kopieren Sie die Informationen:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Bedroht die Preisspirale die Mitte der Gesellschaft?
Matthias Diermeier im NDR NDR 16. August 2022

Bedroht die Preisspirale die Mitte der Gesellschaft?

„Die Verunsicherung, die aktuell in der Mittelschicht auftaucht, kennen wir so bislang noch nicht“, sagt IW-Ökonom Matthias Diermeier im NDR. Das sei auch dem geschuldet, dass es durch die hohen Inflationsraten zu realen Einkommensverlusten dort komme.

IW

Artikel lesen
Knut Bergmann bei t-online Interview 9. August 2022

Schröder bleibt SPD-Mitglied: „Das dürfte die Partei noch auf Jahre beschäftigen“

Gerhard Schröder darf in der SPD bleiben, obwohl der Altkanzler nach wie vor zu Wladimir Putin hält. IW-Hauptstadtbüroleiter Knut Bergmann erklärt im Interview mit t-online, was dahintersteckt.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880