Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat zum sechsten Mal den Wissenschaftspreis Bürokratie verliehen. Mit dem Preis werden Forschungsarbeiten ausgezeichnet, die zeigen, wie Bürokratie funktioniert – und wie Verwaltungen effizienter, transparenter und bürgernäher werden können.
Verwaltung verstehen und verbessern: IW verleiht zum sechsten Mal Wissenschaftspreis Bürokratie
In diesem Jahr ging die Auszeichnung an die Ethnologin Anna R. Louban von der Universität Konstanz für ihre Dissertation „Eine Anthropologie der deutschen Migrationsbürokratie: Akteur:innen, Praktiken und die (un)intendierten Konsequenzen institutioneller Eigendynamiken“.
Institutionelle Dynamiken mit gesellschaftlicher Wirkung
Louban hat über 16 Monate in Berliner Ausländer- und Einbürgerungsbehörden sowie in Integrationskursen geforscht. Ihre Untersuchung zeigt, wie Verwaltungsroutinen entstehen – oft mit unbeabsichtigten Folgen. Die Ethnologin beschreibt, wie bürokratische Prozesse im Kontakt mit Menschen Gestalt annehmen und damit mitbestimmen, wie Zugehörigkeit und Teilhabe in Deutschland gelebt werden.
„In Politik und Wissenschaft reden wir oft abstrakt über Gesetze – die Arbeit von Dr. Louban zeigt nun, wie sie im Alltag angewendet werden“, sagt IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. Das sei ein neuer und bereichernder Beitrag zur Debatte über Verwaltung und Staat. „Über Bürokratie wird seit jeher viel und gern geschimpft, doch Loubans origineller Blick macht deutlich: Wie Gesetze in der Praxis gelebt werden, ist immer auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität.“
Über den Preis
Der mit 5.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis Bürokratie wurde von Prof. Dr. Fritz Hellwig, Gründungsdirektor des IW, gestiftet. Er würdigt Forschungsarbeiten, die das Verständnis von Bürokratien vertiefen und Wege aufzeigen, deren Wirkungen kritisch zu reflektieren.
Die Festrede hält in diesem Jahr Kay Scheller, Präsident des Bundesrechnungshofs. Die Jury bestand aus Martin Hellwig (Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern), Michael Hüther (IW), Oliver Lepsius (Universität Münster), Wolfgang Seibel (Universität Konstanz) und Eva Terberger (Universität Mannheim).
Bürokratie in Deutschland
Dieses Kurzgutachten gibt einen Überblick über vorliegende Studien zur Bürokratiebelastung der Unternehmen und der Entwicklung der Bürokratie.
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Bürokratieabbau: „Digitalminister geht Bürokratieabbau sinnvoll an”
Das Entlastungskabinett tagt zum Bürokratieabbau, viel soll geschehen beim Abbau von Hürden und der Vernetzung zwischen Behörden. IW-Bürokratieabbauexperte Klaus-Heiner Röhl sieht gute Ansätze, aber möglicherweise nicht genügend Zeit für die aktuelle Regierung.
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