Verteilung Image
München gehört bundesweit zu den teuersten Städten. Kaufkraftbereinigt liegt die Armutsschwelle hier 37 Prozent höher als im günstigsten Kreis in Deutschland. Foto: digitalimagination/iStock

Das Leben in München ist teuer. Die Lebenshaltungskosten in der bayerischen Hauptstadt liegen um 37 Prozent höher als in Tirschenreuth in der Oberpfalz, dem günstigsten Kreis in Deutschland. Dies wirkt sich auch auf die Armutsschwelle aus: Reichen einem Single in Tirschenreuth 818 Euro im Monat, um angemessen leben zu können, benötigt ein Alleinstehender in München 1.106 Euro.

Dies ist nur das extremste Beispiel, doch auch der Vergleich zwischen vielen Ost- und Westkreisen zeigt, dass die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten einen starken Einfluss auf die Armutsgefährdung in den Regionen haben. Berechnet man statt der üblichen Einkommensarmut die Kaufkraftarmut, halbieren sich die Ost-West-Unterschiede, zeigen die IW-Forscher: Die Armutsquote in Ostdeutschland sinkt von 19,9 auf 17,6 Prozent, während sich die westdeutsche Quote mit 14,8 Prozent gegenüber der Einkommensarmut (14,4 Prozent) leicht erhöht.

Sichtbar wird in den IW-Berechnungen auch ein starkes Stadt-Land-Gefälle: Ist die Quote der städtischen Gebiete bereits bei der Einkommensarmut um 4,7 Prozentpunkte höher als in ländlichen oder teilurbanen Regionen, beträgt der Unterschied bei der Kaufkraftarmut sogar 7,9 Prozentpunkte. Im Mittel kommen städtische Gebiete auf eine Kaufkraftarmutsquote von fast 22 Prozent. Grund dafür ist das hohe Preisniveau, zugleich sind die Einkommen ungleichmäßiger verteilt als auf dem Land, da es besonders viele Haushalte mit hohem Armutsrisiko wie Migranten und Alleinerziehende gibt.

„Die Politik muss gerade in den Städten die Integration verbessern und die Ganztagsbetreuung weiter ausbauen. Nur so schafft sie bessere Möglichkeiten, die Armut durch Arbeit zu bekämpfen“, sagt IW-Armutsforscher Christoph Schröder.

Einkommensarmut mit Preisbereinigung (Kaufkraftarmut)

Relative Kaufkraftarmut: Anteil der Personen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des regional preisbereinigten deutschen Medianeinkommens; in Prozent der Bevölkerung.

Ursprungsdaten: Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus 2013; BBSR

Diese Karte können Sie kostenlos auf Ihrer Website einbetten. Schicken Sie eine Mail an onlineredaktion <AT> iwkoeln.de

IW-Kurzbericht

Heiner Röhl / Christoph Schröder: Regionale Armut – Welche Regionen sind in Deutschland besonders von Armut betroffen?

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

16. Oktober 2017

Hubertus Bardt Afrika: Viele Probleme, viele ChancenArrow

Der afrikanische Kontinent wird von Europäern oft als ein einziges Land wahrgenommen, tatsächlich aber beheimatet er 54 Staaten mit teils sehr unterschiedlichen geografischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Die Prognosen für Afrika reichen von „dauerhafter Krisenkontinent“ bis zur „globalen Wirtschaftsmacht“. Für eine bessere Vorhersage lohnt ein genauerer Blick. mehr auf iwd.de

12. Oktober 2017

Agnes Millack Vielfältiges AbendprogrammArrow

Eine interessante Region zeichnet sich nicht nur durch gute Arbeitsmöglichkeiten aus, sondern auch durch ein ansprechendes und umfangreiches Kultur- und Freizeitangebot. Die größte Dichte gibt es im Saarland. Am vielfältigsten ist eine kleine Stadt in Rheinland-Pfalz. mehr auf iwd.de

Armutsgefährdung
IW-Nachricht, 29. August 2017

Christoph Schröder Armutsgefährdung: Aufschwung kommt anArrow

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Trotz der Flüchtlingswelle ist der Anteil der Einkommensarmen im Jahr 2016 nicht gestiegen. Auch die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland schwinden. mehr