Von wegen Chlorhühnchen Image
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Geht es um TTIP, diskutiert Deutschland vor allem über Chlorhühnchen. Und das, obwohl Agrarwaren weniger als 1,2 Prozent des deutschen Warenhandels mit den USA ausmachen und Chlorhühnchen aus wissenschaftlicher Sicht ungefährlich sind. Entsprechend rückt das IW Köln bei seiner Bewertung der Partnerschaft andere Aspekte in den Fokus: Die deutschen Warenexporte in die USA machten 2013 mit knapp 90 Milliarden Euro rund 8 Prozent der gesamten Warenexporte aus. Laut IW-Schätzung hängen damit etwa 600.000 Jobs direkt oder indirekt von den US-Ausfuhren ab.

TTIP kann laut IW-Studie einerseits helfen, diese Jobs langfristig zu sichern, andererseits kann die Partnerschaft zu mehr Wohlstand bei Konsumenten und Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks führen. Denn bislang werden nach IW-Schätzung allein im Industriewarenhandel jährlich rund 3,5 Milliarden Euro an Zöllen zwischen den beiden Staaten fällig – Kosten, die Güter unnötig verteuern. Zudem hemmen vor allem rechtliche Regelungen, etwa unterschiedliche Produktstandards, den Handel unnötig.

Nach Einschätzung von IW-Direktor Michael Hüther ist TTIP ohnehin in größerem Kontext zu denken: „Für Europa und damit vorrangig für Deutschland steht geopolitisch die Frage im Raum, ob wir im Rahmen einer G3 gemeinsam mit den USA und China die Geschicke der Welt mitgestalten können, oder ob wir nur am Katzentisch sitzen.“ Zudem, so die Verfasser der Studie, könnte TTIP helfen, der Welthandelsordnung neues Leben einzuhauchen: Die Partnerschaft dürfte die vorerst ausgegrenzten Schwellenländer zu mehr handelspolitischer Kooperation drängen. Damit aber neue multi- oder plurilaterale Abkommen möglich werden, müssen auch die EU und die USA alles daran setzen, die Welthandelsordnung zu stärken.

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