Der eine fühlt sich einsam, der andere freut sich über etwas Zeit für sich: Einsamkeit ist ein subjektiver Zustand und entsprechend schwer zu messen. Das IW hat in einer aktuellen Studie untersucht, wie viele Menschen sich in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben einsam gefühlt haben. Das Ergebnis: Im Jahr 2013 fühlten sich noch rund 10,5 Prozent der Deutschen einsam. 2017 waren es nur noch 9,5 Prozent. Von einer Vereinsamung der Gesellschaft kann also keine Rede sein. Datengrundlage bildet das sogenannte Sozio-oekonomische Panel, für das jährlich rund 30.000 deutsche Privathaushalte befragt werden. 

Die Jüngeren werden stärker einsam

Der Anteil derer, die einsamer geworden sind, ist in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen am höchsten. 29 Prozent von ihnen fühlen sich im Gegensatz zu 2013 mittlerweile einsamer – eine schlechtere Entwicklung als bei den über 60-Jährigen. Das könnte vor allem an den Lebensumständen liegen: Auszug aus dem Elternhaus, häufige Umzüge oder die Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums spielen eine große Rolle. Wer sein Leben häufig umkrempelt, muss auch öfter neue Freunde finden.  

Ein vielschichtiges Problem

„Insgesamt zeigt die Studie, dass wir aktuell keine drastische Zunahme des Problems beobachten können“, sagt Studienmitautorin Theresa Eyerund. Auch andere Studien bestätigen, dass die am stärksten bedrohte Gruppe – ältere Menschen – nicht einsamer oder sozial isolierter geworden ist. „Dennoch fühlt sich noch immer fast jeder zehnte Bundesbürger einsam“, so Mitautorin Anja Katrin Orth. „Deshalb darf die Gesellschaft das Thema nicht ignorieren, sondern muss eine faktenbasierte Debatte darüber führen.“