Reform der Sozialversicherungen - Künftige Generationen entlasten Image
Das größte Problem der Umlagefinanzierung ist die Belastung der künftigen Beitragszahler – also der heutigen Kinder. Foto: Famveldman/Fotolia

Reformvorschläge, die darauf abzielen, Familie durch geringere Beiträge zu entlasten, die Sozialsysteme aber ansonsten nicht zu verändern, greifen zu kurz. Denn das größte Problem der gegenwärtigen Umlagefinanzierung ist die Belastung der künftigen Beitragszahler, also der heutigen Kinder – und nicht die Doppelbelastung der Eltern. Deshalb sollten Kinderlose weniger Leistungen erhalten und so die künftigen Beitragszahler entlasten. Dabei ist es wichtig, Renten- sowie Kranken- und Pflegeversicherung unterschiedlich zu gestalten – handelt es sich doch um unterschiedliche Versicherungsarten. Zwar funktionieren beide nach dem Umlageverfahren, bei der Rentenversicherung handelt es sich aber um eine Versicherung, die erst ab einem bestimmten Lebensalter greift. Deshalb lassen sich die Ansprüche und Verpflichtungen zwischen den Generationen besser einschätzen. Die Kranken- und die Pflegeversicherung sind dagegen vor allem Schadensversicherungen – der Versicherungsfall kann jederzeit eintreten, auch im Kindesalter. Das Geflecht von Ansprüchen und Verpflichtungen der verschiedenen Generationen ist ungleich komplexer. Daher schlägt das IW folgende Reformen vor:

  • Für die Rentenversicherung eignet sich die Einführung einer kinderzahlbezogenen Rente, umgangssprachlich auch Kinderrente genannt. Die Rentenansprüche orientieren sich hierbei viel stärker an der Kinderzahl als heute. Kinderlose haben dann innerhalb des Umlageverfahrens generell geringere Ansprüche als Eltern.
  • Für die Kranken- und Pflegeversicherung bietet sich aufgrund ihres Charakters als Schadensversicherung die Einführung einer zweiten, kapitalgedeckten Säule an. Dadurch bleiben Kinderlose und Eltern im Umlageverfahren zwar weiterhin gleichgestellt. Gleichzeitig werden aber künftige Beitragszahler entlastet, da sie nicht in vollem Umfang für die ältere, stärker besetzte Generation aufkommen müssen.

IW policy paper

Susanna Kochskämper: Fehler im System – aber welcher? Zur Berücksichtigung von Kindern in den Sozialversicherungen

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Gutachten, 4. Oktober 2017

Wido Geis / Bernhard Koldert / Axel Plünnecke / Michael Thöne Kosten und Nutzen lokaler FamilienzeitpolitikArrow

Zeit ist ein entscheidender Faktor dafür, wie gut das Familienleben gelingt. Kommt es zu Zeitkonflikten und Stress, schadet das nicht nur den betroffenen Personen selbst, sondern belastet die Familie als Ganzes. Zudem führen Zeitkonflikte häufig dazu, dass insbesondere Mütter nicht im von ihnen gewünschten Umfang erwerbstätig werden und ihre berufliche Entwicklung vorantreiben können. mehr

26. September 2017

Judith Niehues / Martin Beznoska Vermögen: Auf die Rente kommt es anArrow

Häufig wird in der deutschen Gerechtigkeitsdebatte auf die relativ hohe Vermögensungleichheit verwiesen. Wie ein internationaler Vergleich zeigt, ist diese Ungleichheit allerdings nichts Ungewöhnliches: Sie ist meist dort besonders hoch, wo der Staat über ausgeprägte Sicherungssysteme verfügt – wie die Bundesrepublik. mehr auf iwd.de

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Kommentar von Michael Hüther Schluss mit der SchwarzmalereiArrow

Im Wahlkampf haben viele Politiker versprochen, sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Doch was markig klingt, hält dem Realitätscheck kaum stand und führt zu Problemen, mahnt Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. mehr auf iwd.de