Mit dem Wohngeld greift der Staat denen unter die Arme, die keinen Anspruch auf Hartz IV, aber im Vergleich zu ihren Einkommen hohe Wohnkosten haben. Der Zuschuss soll dabei helfen, die Miete oder – falls Eigentümer ihre Wohnung selbst nutzen – die monatlichen Kosten für den Kredit besser schultern zu können. Vier Jahre lang hat der Bund das Wohngeld nicht erhöht. Da gleichzeitig die Verbraucherpreise, Mieten und Einkommen gestiegen sind, hatten jedes Jahr weniger Menschen Anspruch auf den Zuschuss. Gleichzeitig stiegen die Hartz-IV-Sätze jährlich – folglich wechselten viele Wohngeldempfänger in die Grundsicherung. Anfang 2020 steigt das Wohngeld endlich, zudem erhöht der Staat die Bezugsgrenzen. Künftig erhalten dadurch 178.000 Haushalte zusätzlich den staatlichen Zuschuss, zeigt eine neue IW-Studie. 

660.000 Empfänger

Demnach haben künftig 154.000 jener Haushalte Anspruch auf Wohngeld, die bisher keinen Zuschuss erhalten haben. Weitere 24.000 Haushalte erhalten nach der Reform nicht wie bisher Grundsicherung, sondern ausschließlich Wohngeld. Insgesamt gibt es künftig rund 660.000 Haushalte, die den staatlichen Zuschuss erhalten, dafür investiert der Bund statt bisher 860 Millionen künftig fast 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Reform geht nicht weit genug

„Die Reform war dringend notwendig“, sagt IW-Ökonom und Studienautor Ralph Henger. „Bisher haben in jedem Jahr, in dem die Beträge nicht angepasst wurden, tausende Haushalte den Anspruch verloren.“ Durch die Reform werden nun die Leistungen des Wohngeldes alle zwei Jahre automatisch erhöht, auch, um künftig Inflation und Mietsteigerungen fortlaufend auszugleichen. Die neue Reform geht in die richtige Richtung – wenn auch nicht weit genug: „Das Wohngeld sollte möglichst allen Haushalten zugutekommen, die zwar ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können, aber allein wegen ihrer Wohnkosten auf Grundsicherung angewiesen sind“, sagt der IW-Ökonom.