Familienpolitik kann unterschiedliche Ziele verfolgen: Kinder sollen sich gut entwickeln, Familien sollen genug Geld haben und Eltern soll die Möglichkeit eingeräumt werden, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Der Staat kann das über verschiedene Stellschrauben steuern – vom Kindergeld über Steuererleichterungen bis zur Elternzeit. Die möglichen Staatseingriffe sind jedoch so vielfältig, dass ein internationaler Vergleich schwer fällt. Den ermöglicht nun das IW Köln mit seinem Familienfreundlichkeitsindex.

Dieser zeigt, dass sich die Lage für Familien in Deutschland in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert hat. 2005 schnitt Deutschland im europäischen Vergleich lediglich bei den Geldleistungen gut ab, inzwischen sind auch die Betreuung besser und die bezahlte und vorbehaltene Elternzeit umfassender geworden. Gleichzeitig gehen mehr Frauen arbeiten, und Familien sind wirtschaftlich stabiler aufgestellt als noch vor zehn Jahren. Im europäischen Vergleich geht es Kindern in Deutschland am viertbesten.

Um an die Spitze zu kommen, bleibt allerdings noch einiges zu tun. „Trotz großer Fortschritte ist unsere Kinderbetreuung nicht so gut wie etwa in Skandinavien“, sagt Wido Geis, Familienexperte des IW Köln. Insbesondere fehlen weiterhin Ganztagsangebote für Schulkinder, sodass der Schuleintritt für erwerbstätige Eltern zu einer Herausforderung werden kann. Das IW Köln fordert daher, zügig flächendeckend Ganztagsschulen zu eröffnen, deren Betreuungszeiten die typischen Arbeitszeiten von Eltern abdecken. Hingegen könne Deutschland bei den Geldleistungen sparen. Bis zu 2.137 Euro zahlt der deutsche Staat für ein Kind pro Jahr – nur Luxemburg gibt mehr. „Würden die Leistungen zielorientierter gestaltet und besser miteinander verzahnt, könnten mit dem gleichen Einsatz an Geld bessere Ergebnisse erzielt werden“, so Familienexperte Geis.