Wer in den USA aktuell eine Staatsanleihe mit zehn Jahren Restlaufzeit hält, kann sich über Zinsen von rund 2,74 Prozent pro Jahr freuen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es gerade einmal 0,24 Prozent Zinsen auf entsprechende Anlagen. Damit steuern die Zinsen seit Jahren immer weiter auseinander. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen, zeigt eine aktuelle IW-Umfrage unter deutschen Ökonomen von 14 Banken und Versicherungen. 

Die Experten erwarten, dass die Zinsen auf US-Staatsanleihen bis Ende Juni dieses Jahres um weitere 0,33 Prozentpunkte steigen, während Zinsen auf Bundesanleihen im gleichen Zeitraum gerade einmal um 0,23 Prozentpunkte zulegen werden – wohlgemerkt von einem signifikant niedrigeren Ausgangsniveau. „Für deutsche Anleger sind die USA nach wie vor besonders attraktiv“, sagt IW-Ökonom Markus Demary. „Zukünftig wird daher noch mehr Anlagekapital von Deutschland in die USA fließen.“ Zwar müssen deutsche Anleger zunächst US-Dollar erwerben, sodass ihre Anlageentscheidung auch von der Entwicklung des Wechselkurses abhängt. Die befragten Volkswirte  rechnen allerdings nicht damit, dass der Euro in den kommenden Monaten stark an Wert zulegen wird, was den Gewinn in der Fremdwährung schmälern würde. 

Das starke Zinsgefälle wird vor allem durch die unterschiedlichen Geldpolitiken in den USA und Europa beeinflusst. So hat die US-Zentralbank die Zinsen im Dezember trotz Trumps heftigem Widerstand um einen Viertelprozentpunkt auf 2,5 Prozent erhöht, während der Leitzins in Europa seit Jahren bei 0 Prozent stagniert. 

Das IW befragt im Rahmen des IW Financial Expert Survey in jedem Quartal Bankvolkswirte nach ihrer Einschätzung über den zukünftigen Verlauf von Aktien- und Rentenmärkten.