Dass in Deutschland in den vergangenen Jahren mehr Unternehmen der Börse den Rüc­ken gekehrt haben, als neu notiert wurden, hat mehrere Ursachen:

1. Der Börse mangelt es an potenziellem Nachwuchs: Die Zahl der neu gegründeten Unternehmen mit voraussichtlich größerer Bedeutung, aus denen sich die Börsenkandidaten rekrutieren, ist von knapp 176.000 im Jahr 2004 auf zuletzt gut 126.000 zurückgegangen.

2. Unternehmen, die Eigenkapital aufnehmen wollen, betrachten privates Beteiligungskapital offenbar zunehmend als gute Alternative zum Börsengang.

3. Deutsche Unternehmen, Banken, Versicherungen und Haushalte hierzulande investieren seit dem Jahr 2000 weniger in notierte Aktien.

Börsennotierte Aktien sind jedoch als Finanzierungsinstrument für größere und innovative Unternehmen bedeutsam, da über den Börsengang effizient Mittel von einer breiten Investorenbasis mobilisiert werden können. Anders als Kreditmittel steht das Börsenkapital dem Unternehmen zudem langfristig zur Verfügung.

„Um die Eigenkapitalfinanzierung zu stärken, muss es aber auch für Anleger attraktiv sein, langfristig in Unternehmen zu investieren“, sagt IW-Wissenschaftler Klaus-Heiner Röhl. Dass sich Banken und Versicherungen zurückgezogen haben, ist wohl eine unerwünschte Nebenwirkung der strikteren Finanzmarktregulierung, die Aktieninvestments vorwiegend als Handelstätigkeit behandelt. „Bei einer langfristigen Investition sind die Risiken für Anleger aber deutlich geringer als im Handel. Das sollte sich in den Regulierungsvorschriften widerspiegeln“, fordert IW-Finanzexperte Markus Demary. Damit Aktien in der Altersvorsorge wieder eine größere Rolle spielen, empfiehlt er außerdem, durch eine steuerliche Förderung die Verbreitung von Belegschaftsaktien zu erhöhen.