IW-Bankenmonitor 2015 Image
Auch Banken in Frankfurt am Main stellen der Wirtschaft weniger Geld zur Verfügung als früher. Foto: Science Photo/Fotolia

Der Fehler liegt im System: Noch immer dürfen Europas Banken Staatsanleihen der Euroländer kaufen, ohne dafür Eigenkapital aufzuwenden. Kredite an Firmen und Privatpersonen sind hingegen nur mit ausreichend Eigenkapital möglich. Zudem gibt es für den Kauf von Staatsanleihen keine sogenannte Großkreditbeschränkung, die Banken verbietet, zu viele Anleihen eines Staates zu erwerben. Die Niedrigzinsen tun ein Übriges, um den Kauf von Staatsanleihen rentabler als die Kreditvergabe zu machen.

Der IW-Bankenmonitor zeigt auch, dass der staatlich verordnete Eigenkapitalaufbau der Banken dazu geführt hat, dass sie der Wirtschaft weniger Geld zur Verfügung stellen als früher. Dadurch kommt die Konjunktur im Euroraum nur langsam in Schwung: „Wenn sich Unternehmen nur schwer Geld leihen können, können sie nicht investieren und das Wachstum bleibt auf der Strecke“, sagt IW-Finanzexperte Markus Demary.

Für die Finanzexperten des IW Köln gibt es nur einen Weg aus der Misere: Zum einen müssen Staatsanleihen risikoabhängig mit Eigenkapital unterlegt werden. Zum anderen ist eine Großkreditbeschränkung bei Staatsanleihen nötig. Das IW empfiehlt, das Engagement für einen einzelnen Schuldner auf 25 Prozent des Eigenkapitals zu deckeln, so wie es schon heute bei Krediten an Wirtschaftsunternehmen üblich ist.

An anderer Stelle wäre es laut IW Köln allerdings sinnvoll, die Regulierung zu lockern: Der Bankenmonitor belegt, dass einlagenstarke sowie profitable Banken mehr Kredite vergeben als die weniger profitable Konkurrenz. Denn die profitablen Banken sind den Risiken des Kapitalmarktes weniger stark ausgesetzt und sie können leichter Eigenkapital aufbauen. „Die Bankenregulierung sollte deshalb die Profitabilität der Banken nicht zu sehr einschränken“, so IW-Experte Demary.

IW-Trends

Markus Demary: IW-Bankenmonitor 2015 – Schleppende Kreditentwicklung trotz oder wegen der Rekapitalisierungsfortschritte?

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

In der Falle der niedrigen Zinsen
Gastbeitrag, 27. April 2017

Hubertus Bardt auf n-tv.de In der Falle der niedrigen ZinsenArrow

Die Europäische Zentralbank berät wieder über die Leitzinsen. Sie werden wohl auf ihrem Rekordtief bleiben. Durch diese Politik gerät das zentrale Problem im Euroraum in Vergessenheit: die extrem hohen Staatsschulden. Ein Gastkommentar auf n-tv.de von Hubertus Bardt, Geschäftsführer im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr

13. April 2017

Frankreich Viel Arbeit für den WahlsiegerArrow

Wen auch immer die Franzosen Anfang Mai zu ihrem neuen Staatsoberhaupt küren – er oder sie steht in jedem Fall vor großen wirtschaftspolitischen Herausforderungen. Vor allem in den Bereichen Arbeitsmarkt und öffentliche Finanzen sind weitere Reformen nötig. mehr auf iwd.de