Im Streikrekordjahr 2015 lag die durchschnittliche maximale Eskalationstufe noch bei 3,5 und die Konfliktintensität bei 17,8 Punkten. Ein Grund für die gute Jahresbilanz 2017 war, dass wichtige Konflikte in der Luftfahrt und bei der Deutschen Bahn ohne größere Eskalation beigelegt werden konnten. Außerdem wurde in der Chemischen Industrie, in der Süßwarenindustrie im Bauhauptgewerbe und bei den Klinikärzten des Marburger Bundes konfliktfrei verhandelt. Konfliktreich ging es hingegen im Einzelhandel zu. Dort summierten sich die Konfliktpunkte auf 26 bei einer maximalen Eskalationsstufe von 4 (Warnstreik).

Eine Auswertung nach Gewerkschaften zeigt: Über den gesamten Zeitraum hinweg verhandelte die IG Bergbau, Chemie, Energie am kooperativsten. Die Vereinigung Cockpit und die Lokführergewerkschaft GDL erreichten die höchsten Konfliktintensitäten und die Flugbegleiter-Organisation UFO sowie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Einzelhandel die höchsten maximalen Eskalationsstufen.

Das laufende Tarifjahr dürfte wieder konfliktreicher als 2017 verlaufen. In der Metall- und Elektro-Industrie spitzte sich der inzwischen beigelegte Tarifkonflikt stärker zu als bis zu den in den Vorjahren üblichen Warnstreiks, da die Arbeitgeber juristische Mittel gegen die Rechtmäßigkeit der Tagesstreiks einlegten (Eskalationsstufe 5). Im Öffentlichen Dienst und bei der Deutschen Post gab es bereits erste Warnstreiks und im Bauhauptgewerbe standen die Tarifverhandlungen zuletzt kurz vor dem Scheitern. Konfliktrisiken bergen auch die anstehenden Tarifverhandlungen in der Telekommunikation, in der Druckindustrie und bei der Deutschen Bahn.