Gesetz zur Tarifeinheit Image
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Im November 2014 rief die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zum längsten Streik der Bahn-Geschichte auf und legte den Schienenverkehr tagelang lahm. Der GDL ging es bei ihrem Streik nicht nur um höhere Löhne. Sie nutzte den Tarifstreit vielmehr auch für einen Machtkampf mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Nach den Plänen der Bundesregierung soll das in Zukunft nicht mehr vorkommen: Durch das neue Tarifeinheitsgesetz werden Gewerkschaften dazu motiviert, miteinander zu kooperieren. Tun sie das nicht, setzt sich die größere Gewerkschaft durch.

Das Gesetz verhindert so, dass sich das deutsche Tarifsystem weiter aufspaltet. Betroffen von der Neuregelung sind vor allem die Flugsicherung, die Luftfahrt, der Schienenverkehr sowie Krankenhäuser, also die Bereiche, in denen Spartengewerkschaften agieren. Diese verhandeln im Schnitt länger und konfliktintensiver als große Branchengewerkschaften. Das zeigt eine empirische Auswertung der Tarifdatenbank des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das IW hat dafür 143 Tarifkonflikte in Deutschland seit dem Jahr 2000 analysiert. Tarifkonflikte mit Spartengewerkschaften wie der Vereinigung Cockpit oder der GDL dauern mit durchschnittlich 9,2 Monaten nicht nur doppelt so lange wie die Verhandlungen von Branchengewerkschaften wie IG Metall oder ver.di, sie eskalieren auch häufiger.

Machtbezogene Statuskonflikte wie jener zwischen GDL und EVG sind im Durchschnitt sogar viermal so konfliktintensiv wie normale Tarifkonflikte. Gerade diese Konflikte wird das neue Gesetz vermeiden. IW-Tarifexperte Hagen Lesch: „Das Gesetz setzt an der richtigen Stelle an. Es begrenzt kumulierende Konfliktrisiken und stärkt die Tarifautonomie.“

IW policy paper

Hagen Lesch / Paula Hellmich: Das Tarifeinheitsgesetz – Juristischer Balanceakt mit ökonomischer Wirkung

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Ansprechpartner

21. Juni 2017

Adam Giza Gewerkschaften unter DruckArrow

Die Arbeitnehmervertretungen kommen zunehmend unter Druck. Nicht einmal mehr jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland war 2015 Mitglied in einer Gewerkschaft. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de

Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

Paula Hellmich / Hagen Lesch DGB-Organisationsgrad: Nordwesten stärker, Südosten schwächerArrow

Ende 2015 zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften zusammen über 6 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon verteilt sich auf die drei großen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Am stärksten sind die DGB-Gewerkschaften jedoch im Saarland und in Bremen, am schwächsten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. mehr