Drei Jahre nach Beginn der Verhandlungen zu TTIP herrscht in Deutschland Skepsis: Viele Bürger sind verunsichert, es finden sich mehr Gegner des geplanten Abkommens als Befürworter. Doch mit einer generellen Ablehnung des Freihandelsgedanken haben die Proteste gegen TTIP wenig zu tun. Sogar unter den Skeptikern sehen zwei von drei Bundesbürgern den freien Handel eher positiv, zeigen Eurobarometer-Daten.

Ein wichtiger Grund für die Skepsis ist das Misstrauen vieler Bürger gegenüber der EU. Die Bundesbürger sprechen sich mit einer um fast zehn Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für TTIP aus, wenn sie der EU vertrauen, zeigt die IW-Studie. „Die Ablehnung von TTIP ist zum Teil also auch ein Protest gegen die politischen Strukturen der EU“, erklärt IW-Ökonomin Galina Kolev. Nur 43 Prozent der TTIP-Skeptiker haben das Gefühl, dass ihre Stimme in der EU zählt. Unter den Befürwortern sind es mehr als zwei Drittel. „Viele Bürger sind mit der Art und Weise, wie Demokratie auf EU-Ebene funktioniert, unzufrieden und glauben nicht daran, die Politik in Brüssel beeinflussen zu können.“ Dabei werden die positiven ökonomischen Effekte des Abkommens oft übersehen. So zeigen die IW-Berechnungen, dass die Unterstützung für TTIP mit der Einschätzung für die wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung zusammenhängt. Geben die Befragten an, dass Globalisierung eine Chance für das Wirtschaftswachstum darstellt, so liegt die Wahrscheinlichkeit für eine TTIP-Unterstützung um fast ein Fünftel höher.

Entsprechend, so das Fazit der IW-Ökonomen, ist die Politik mehr denn je in der Pflicht, die Bürger besser über die positiven Seiten der Europäischen Integration, der Globalisierung und des Freihandelsabkommens zu informieren. Denn eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt: Jeder zweite Deutsche hat sich noch gar keine umfassende Meinung zu TTIP gebildet. "Das Freihandelsabkommen ist also noch nicht verloren“, sagt Kolev.