Das Gros der deutschen Unternehmen finanziert sich noch immer nicht über Aktien und Anleihen, sondern über klassische Bankkredite. Eine Fusion der beiden Finanzplätze Frankfurt und London könnte das ändern: Der Zusammenschluss würde deutschen Unternehmen Zugang zu großen internationalen Investoren verschaffen, ohne dass die Firmen in London präsent sein müssen.

Zudem reduziert ein größerer Finanzplatz laut IW-Studie, die für die Deutsche Börse Group erstellt wurde, die Gefahr, dass Firmen ihre Aktien oder Anleihen zu ungünstigen Preisen emittieren müssen, weil mehr Wettbewerb unter den Händlern besteht. „Entsprechend käme eine Fusion gerade kleineren, noch nicht so etablierten Unternehmen zu Gute, die dann leichter an Kapital kommen“, sagt IW-Direktor Michael Hüther.

Wenn sich die beiden Börsen zusammenschließen, würde das zudem die Zahl der Händler von deutschen Wertpapieren erhöhen – was voraussichtlich dafür sorgt, dass Wertpapiere zu günstigeren und vor allem unverzerrten Kursen gehandelt werden. So würden neben den Firmen auch die deutschen Sparer von der Fusion profitieren. Ihnen käme der Zusammenschluss zusätzlich entgegen, weil das aktuelle Niedrigzinsumfeld nur geringe Renditechancen bietet. „Aktienportfolien sind deshalb gerade jetzt eine sinnvolle Ergänzung“, so IW-Finanzmarktexperte Markus Demary. „Die Börsenfusion würde den Sparern ermöglichen, ihre Aktien dank der Angebote in London breiter zu streuen.“