Fachkräfteengpässe Image
2014 blieben in Lebensmittelberufen wie Koch, Fleischer und Bäcker 19,1 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt. Foto: Tunart/iStock

Immer mehr Schüler machen Abitur und entscheiden sich dann für ein Studium. Diese Entwicklung ist einer der Gründe, warum es vielen Unternehmen mittlerweile schwer fällt, geeignete Auszubildende zu finden. Besonders hart trifft es Firmen in Ostdeutschland und Bayern, wie die IW-Untersuchung zeigt. Im Arbeitsagenturbezirk Greifswald blieb 2014 fast jede vierte Ausbildungsstelle unbesetzt (23,6 Prozent), in Passau waren es 14,6 Prozent. Die Gründe sind unterschiedlich: In Ostdeutschland ist die Zahl der Schulabgänger stark gesunken, in Bayern boomt die Wirtschaft, wodurch es einen steigenden Bedarf an Fachkräften und Azubis gibt.

Zudem kommt es auf das jeweilige Berufsfeld an, ob Unternehmen schwerer oder leichter Azubis finden. So blieben 2014 im Bereich „Unternehmensorganisation und Verwaltung“ bundesweit lediglich 2,5 Prozent der Stellen unbesetzt. Ganz anders sieht es in Lebensmittelberufen bei Köchen, Fleischern und Bäckern aus – hier fehlten für 19,1 Prozent der Ausbildungsplätze geeignete Bewerber.

„Arbeitgeber müssen leistungsschwächeren Schülern noch öfter eine Chance geben, aber dafür brauchen sie auch mehr externe Unterstützung“, fordert IW-Berufsforscher Sebastian Bußmann. Etwa durch die assistierte Ausbildung, bei der förderbedürftige Jugendliche und Ausbildungsbetriebe gleichermaßen unterstützt werden. Zugleich sollten Firmen versuchen, mehr Abiturienten von einer Ausbildung zu überzeugen und überregionaler denken. Denn bislang suchen gerade kleine und mittlere Unternehmen ihre Lehrlinge vor Ort. „Mit einfachen Mitteln wie Online-Anzeigen können Firmen ihre Stellen überregional bekannt machen und mehr Azubis anlocken“, sagt Bußmann. Die IW-Untersuchung wurde im Rahmen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) erstellt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird.

Gutachten für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Sebastian Bußmann: Fachkräfteengpässe in Unternehmen – Der Ausbildungsmarkt für Engpassberufe

IconDownload | PDF

Es gibt keine Krise bei Facharbeitern
IW-Nachricht, 14. Juni 2017

Holger Schäfer Arbeitsmarkt: Es gibt keine Krise bei FacharbeiternArrow

Einer neuen OECD-Studie zufolge ist der Anteil von Arbeitsplätzen mit mittlerer Qualifikation auch in Deutschland stark gesunken. Grund ist die Digitalisierung – dafür steigt die Beschäftigung der Hoch- und Niedrigqualifizierten. Allerdings gibt es für diese These zumindest hierzulande keine Belege. mehr

12. Juni 2017

Christiane Konegen-Grenier Erasmus: Ein Ticket für neun Millionen Menschen Arrow

Das europäische Erasmus-Programm, das in diesem Juni seinen 30. Geburtstag feiert, hat zunächst nur Studenten finanziell unterstützt, die ein Auslandssemester absolvieren wollten. Mittlerweile fördert das zu Erasmus+ umgetaufte Projekt nicht nur einen deutlich größeren Personenkreis, sondern umfasst auch sämtliche Bildungsbereiche. Allein 2015 investierte Brüssel dafür mehr als 2,1 Milliarden Euro. mehr auf iwd.de

MINT-Frühjahrsreport 2017
Gutachten, 10. Mai 2017

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Frühjahrsreport 2017Arrow

Die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern ist von 2011 - 2014 um 10,6 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung wurde von Zuwanderung, einem höheren Frauenanteil und mehr Älteren begünstigt. Weniger günstig entwickelte sich die Erwerbstätigkeit von beruflich qualifizierten MINT-Fachkräften. mehr