Europäische Kapitalmarktunion Image
Um die Investitionen in der EU anzukurbeln, braucht es mehr als eine Kapitalmarktunion. Quelle: eyetronic – Fotolia

Die Unternehmen in Europa investieren nicht genug – im Durchschnitt rund 12 Prozent weniger als noch 2007. Die Kapitalmarktunion soll das ändern, indem sie es Unternehmen ermöglicht, EU-weit Aktien und Anleihen auszugeben, um Investitionen zu finanzieren. Denn bislang leihen sich Unternehmen in der EU – anders als etwa in den USA – überwiegend Geld von Banken. Heide Haas, Finanzmarktexpertin des IW Köln, warnt die EU-Kommission allerdings davor, vorschnell zu handeln: „Die Öffnung der Kapitalmärkte allein kann die Investitionen nicht beleben.“ Im Prinzip unterstützt das IW Köln die Pläne der Kapitalmarktunion, fordert aber umfassendere Maßnahmen:

Erstens müssen die europäischen Aufsichtsbehörden sicherstellen, dass die verschuldeten EU-Staaten ihre Haushalte in den Griff bekommen. Um einen Teufelskreis aus Staatsschulden- und Bankenkrise zu vermeiden, sollten Banken nicht mehr unbegrenzt Staatsanleihen kaufen dürfen.

Zweitens benötigt Europa eine umfassende Bankenaufsicht, die anders als die Bankenunion auch für EU-Staaten außerhalb der Eurozone greift. Denn noch immer besteht das Risiko, dass nationale Aufsichten abseits der Bankenunion laxere Regulierungsstandards setzen, um ihren jeweiligen Finanzplatz zu fördern.

Drittens fordern die IW-Forscher, in der Kapitalmarktunion den Markt für Verbriefungen, also den Handel mit Verbindlichkeiten, zu stärken. Dies würde ebenfalls die Liquidität der Unternehmen erhöhen. Um der Bevölkerung die Angst vor komplexen Finanzprodukten zu nehmen, sollte die Politik außerdem großflächige Finanz-Bildungsprogramme auflegen.

IW policy paper

Markus Demary / Matthias Diermeier / Heide Haas: Die Europäische Kapitalmarktunion – Zur Relevanz von Banken und Märkten

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Veranstaltung
Veranstaltung, 23. November 2017

20. Finanzmarkt Round-Table Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik – Erlösung oder neuer Schock?Arrow

Während die einen ein schnelles Ende des Niedrigzinses herbeisehnen, befürchten andere einen neuen Schock mit Rückwirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, die DekaBank und die Börsen-Zeitung laden ein zum 20. Finanzmarkt Round-Table in Frankfurt am Main. mehr

20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de