Danach steht die Industrie in der Europäischen Union für mehr als drei Viertel der Warenexporte und für rund zwei Drittel der Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung. Weil die Industrie ein wichtiger Absatzmarkt für andere Wirtschaftszweige ist, erzeugt 1 Euro Mehrnachfrage nach industrieller Produktion fast 1,70 Euro an zusätzlichem Output in der Gesamtwirtschaft der EU. In die gleiche Richtung weist ein weiteres Ergebnis: Aufgrund seiner starken Verflechtungen mit anderen Branchen erzielt ein erweiterter Industrieverbund der EU-Staaten einen ausgesprochen hohen Wertschöpfungsanteil von 24 Prozent. In der Europäischen Union hängen zudem insgesamt 52 Millionen Arbeitsplätze von der Industrie ab; 32 Millionen davon direkt und gut 20 Millionen indirekt.

"Die Industrie ist die zentrale Drehscheibe für die Organisation von Wertschöpfungsketten in Europa", erläuterte IW-Direktor Prof. Michael Hüther die Studienergebnisse vor der EU-Spitze. Die Untersuchung mit dem Titel "Industry as a growth engine in the global economy", die von dem europäischen Industrie- und Unternehmensverband BUSINESSEUROPE in Auftrag gegeben wurde, zeigt laut Hüther: Höhere Wettbewerbsfähigkeit entsteht in der EU gerade durch eine solch stärkere Zusammenarbeit von Unternehmen und mehr gemeinsame wirtschaftliche Aktivitäten über Branchen und Grenzen hinweg.

Die Industriepolitik der EU müsse dies stärker berücksichtigen, erklärte Hüther. Zentrale Punkte seien dabei die Schaffung offener Märkte, eine bessere transeuropäische Infrastruktur und die Einrichtung von Plattformen, mit denen sich EU-Unternehmen leichter miteinander vernetzen können. "Brüssel muss zudem der industriellen Wettbewerbsfähigkeit über alle Politikbereiche hinweg deutlich mehr Priorität geben", so der Appell des IW-Direktors.