Drohender EU-Austritt Image
Tower Bridge in London: Wenn Großbritannien die Brücken zum Rest von Europa abbricht, leidet die britische Wirtschaft. Foto: jovannig/Fotolia

Seit 1973 ist das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Union, doch wirklich euphorische Anhänger der Union waren die Briten nie – man denke nur an Margaret Thatchers berühmte Forderung "I want my money back". Nun also sollen die Bürger über den Verbleib in der EU abstimmen. Die EU-Kritiker versprechen sich von einem Austritt mehr Freiheit und weniger Bürokratie und Regulierung aus Brüssel.

Doch die Folgen für die britische Wirtschaft könnten gravierend sein, wie die IW-Analyse zeigt. Sofern die EU keine entsprechenden Zugeständnisse macht, hätte das Vereinigte Königreich nach dem sogenannten Brexit keinen ungehinderten Zutritt mehr zum Binnenmarkt – die EU-Staaten wären wohl kaum geneigt, britischen Firmen uneingeschränkten Zugang zum Binnenmarkt zu gewähren. Vor allem Banken, Beratungsfirmen, Energielieferanten oder Chemieunternehmen müssten dann mit Handelshemmnissen rechnen:

  • Ohne die Personen- und Arbeitnehmerfreizügigkeit könnte es zum Beispiel für britische Staatsangehörige schwieriger werden, in anderen EU-Ländern zu arbeiten, und umgekehrt. Derzeit stammen 5,8 Prozent aller Beschäftigten im Vereinigten Königreich aus einem anderen EU-Staat.
  • Auch die Kapitalverkehrsfreiheit wäre nicht mehr garantiert, von der vor allem der britische Finanzsektor profitiert. Und der ist mit 8 Prozent eine starke Säule der Wirtschaft des Vereinigten Königreichs.
  • Das Ende der Freiheit im Waren- und Dienstleistungsverkehr könnte dazu führen, dass sowohl das Vereinigte Königreich als auch die EU wieder Zölle einführen. Die Gebühren und andere bürokratische Regulierungen würden die Kosten des Handels in die Höhe treiben. Bisher gingen 48 Prozent der britischen Exporte in andere EU-Länder, zugleich kamen 53 Prozent der Importe von den EU-Nachbarn.

IW-Trends

Berthold Busch: Wie stark ist das Vereinigte Königreich mit der Europäischen Union verflochten?

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IW-Report, 18. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer How do higher interest rates impact companies’ financial situation?Arrow

Companies’ access to finance has an important impact on their profitability and growth prospects. Without external financing, most firms are not able to invest, which is a prerequisite for economic growth. Unlike in the US, which has a capital market-based financial system, banks are the dominant lenders for firms in the Eurozone. mehr

14. September 2017

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Die künftige Bundesregierung muss die Fahne des Freihandels hochhalten und sollte den vorhandenen finanziellen Spielraum für mehr Investitionen nutzen, sagt Markus J. Beyrer im iwd-Interview. Der Österreicher ist Generaldirektor der europäischen Vereinigung der Industrie- und Arbeitgeberverbände BusinessEurope, zu dessen Mitgliedern die deutschen Organisationen BDA und BDI gehören. mehr auf iwd.de

Cybersicherheit
IW-Nachricht, 13. September 2017

Barbara Engels Cybersicherheit: Überfällige AnpassungenArrow

Die wirtschaftlichen Schäden durch Cyberattacken haben sich in den vergangenen vier Jahren verfünffacht. Inzwischen vergeht keine Woche mehr, in der nicht ein prominentes Unternehmen gehackt wird. Die Europäische Kommission reagiert jetzt mit einer Neuauflage ihrer Cybersicherheitsstrategie – ein dringend nötiger Schritt. mehr