Niedrigzinspolitik trifft alle Image
Vermögende profitieren nicht von der EZB-Politik. Quelle: Eisenhans Fotolia

Anleger bekommen bei Banken kaum noch Zinsen für ihre Guthaben. Dafür hat die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB gesorgt. Für Schuldner ist diese Entwicklung aber positiv: Insbesondere jüngere Menschen, die gerade eine Immobile erworben haben und diese mit einer Hypothek finanzieren, müssen weniger Zinsen zahlen als noch vor einigen Jahren. Im Vergleich dazu bekommen Ältere, die tendenziell mehr Ersparnisse als Schulden haben, weniger Zinsen für ihr Erspartes. Da Ältere im Durchschnitt wohlhabender sind als Jüngere, begünstigt die Niedrigzinsphase eher einen Rückgang der Vermögensungleichheit in Deutschland, zeigen die IW-Berechnungen.

Die Wirkung auf die Haushalte mit relativ wenig Vermögen ist zweigeteilt: Die vermögensärmsten zehn Prozent haben meist nur wenige Ersparnisse, dafür höhere Schulden. Sie profitieren, da sie durch die niedrigeren Zinsschulden mehr Geld einsparen als ihnen durch die geringen Guthabenzinsen verloren geht. Die nahezu schuldenfreien Haushalte mit geringem Vermögen stellen sich durch die niedrigen Zinserträge hingegen schlechter. Die reichsten zehn Prozent haben deutlich mehr Spareinlagen als Schulden – bei ihnen überwiegt der Rückgang der Zinserträge den Rückgang der Zinslasten.

Entsprechend profitieren die Vermögenden nicht von der Niedrigzins-Politik der EZB. Denn anders als manch einer vermutet, unterscheidet sich der Anteil von Immobilien und Aktien bei den Vermögensreichen kaum vom Anteil bei anderen Vermögensgruppen: Die Vermögensportfolios der verschiedenen Einkommensgruppen zeigen praktisch keine Unterschiede in der relativen Zusammensetzung der verschiedenen Kapitalarten. „Die Ungleichheit von Vermögen in Deutschland hat durch die aktuell niedrigen Zinsen und steigenden Aktienkurse nicht zugenommen. Der einzige echte Profiteur in Deutschland ist der Staat, der deutlich weniger Zinsen zahlen muss als früher“, sagt IW-Direktor Michael Hüther.

Zu den gesamten Materialien

Ansprechpartner

In der Falle der niedrigen Zinsen
Gastbeitrag, 27. April 2017

Hubertus Bardt auf n-tv.de In der Falle der niedrigen ZinsenArrow

Die Europäische Zentralbank berät wieder über die Leitzinsen. Sie werden wohl auf ihrem Rekordtief bleiben. Durch diese Politik gerät das zentrale Problem im Euroraum in Vergessenheit: die extrem hohen Staatsschulden. Ein Gastkommentar auf n-tv.de von Hubertus Bardt, Geschäftsführer im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr

Haushalt NRW: Neue Schulden in Sicht
IW-Kurzbericht, 19. April 2017

Tobias Hentze Haushalt NRW: Neue Schulden in SichtArrow

Nordrhein-Westfalen (NRW) erzielte 2016 dank mehrerer Sondereffekte nach mehr als 40 Jahren wieder einen Haushaltsüberschuss. Schon im laufenden Jahr plant die Landesregierung allerdings wieder mit einem Defizit. Dabei wachsen die Landeseinnahmen stärker als die Wirtschaft. Im Wahlkampf machen die Parteien dennoch vor allem neue Ausgabenversprechen. mehr

Die EU nicht dem Handel mit den Briten opfern
Gastbeitrag, 19. April 2017

Michael Hüther in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Die EU nicht dem Handel mit den Briten opfernArrow

Sosehr der Verlust der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schmerzt, ein Untergang der europäischen Idee ist mit dem Brexit ebenso wenig verbunden wie ein ökonomisches oder gar politisches Desaster für Deutschland. Ein Gastbeitrag von IW-Direktor Michael Hüther in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. mehr