Demografischer Wandel Image
Die Altersstruktur in der Bevölkerung verändert sich in den kommenden Jahrzehnten grundlegend. Das hat Folgen für den Fiskus. Foto: sculpies/iStock

Noch ist in Deutschland kaum etwas vom demografischen Wandel zu merken: Die Bevölkerung wächst und die Zahl der Arbeitnehmer liegt auf Rekordniveau. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass gegenwärtig mehr Menschen nach Deutschland kommen, als das Land verlassen. Davon profitiert auch das deutsche Renten- und Steuersystem: Laut IW-Berechnungen fließen im Jahr 2024 real drei Milliarden Euro mehr in die Steuerkasse als heute.

Doch das wird nicht so bleiben. Die Altersstruktur in der Bevölkerung verändert sich in den kommenden Jahrzehnten grundlegend; das Verhältnis von Rentnern zu Berufstätigen steigt von derzeit 1:3 auf 1:2 im Jahr 2035. In 20 Jahren müssen also zwei Berufstätige einen Rentner finanzieren. Das hat Folgen für den Fiskus: 2035 werden die Steuereinnahmen gemessen in heutigen Preisen um 18 Milliarden Euro geringer ausfallen als derzeit, rechnen die IW-Experten vor.

Die Politik muss die aktuellen Haushaltsüberschüsse nutzen, um Rücklagen für die kommenden Jahre zu bilden, etwa in Form eines Demografie-Fonds, fordert IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. Damit könnten die finanziellen Folgen des demografischen Wandels abgefangen werden. Zudem müsse die Frage beantwortet werden, welche öffentlichen Leistungen die Gesellschaft langfristig benötigt und wie diese finanziert werden können. „Die Zeit drängt“, erklärt Bardt. Die hohe Nettozuwanderung verschiebe die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Steuereinnahmen zwar um einige Jahre. „Die Politik hat aber nur noch zwei Legislaturperioden Zeit, die Weichen so zu stellen, dass die simulierten Ergebnisse nicht Realität werden.“

Auswirkungen des demografischen Wandels

Einkommen und Abgaben in Milliarden Euro

Diese Grafik können Sie kostenlos auf Ihrer Webseite einbetten. Schreiben Sie onlineredaktion <AT> iwkoeln.de, Angaben für Deutschland auf Basis des STATS-Modells, Quelle: SOEP

IW-Trends

Martin Beznoska / Tobias Hentze: Die Wirkung des demografischen Wandels auf die Steuereinnahmen in Deutschland

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Vertrauen schaffen heißt Soli abschaffen
Gastbeitrag, 7. November 2017

Tobias Hentze auf makronom.de Vertrauen schaffen heißt Soli abschaffenArrow

Der Solidaritätszuschlag hat über viele Jahre den Aufbau Ost finanziert. Doch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung hat der Soli seine Daseinsberechtigung verloren. Deshalb ist seine Abschaffung ein logischer Schritt, den eine neue Bundesregierung gehen sollte – und dank voller Kassen auch kann, schreibt IW-Ökonom Tobias Hentze in einem Gastbeitrag auf makronom.de. mehr

IW policy paper, 3. November 2017

Wido Geis Labour market potentials of the freedom of movement for workersArrow

The freedom of movement for workers is one of the core principles of the European Union and most Europeans have positive attitude towards it. 75 percent regard it as a good and only 9 percent as a bad thing. Nevertheless, the number of persons moving from one EU member country to another is still small. mehr