Deflationsgefahr und Niedrigzinsen Image
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Die Schuldenkrise in vielen Ländern der Eurozone ist noch nicht ausgestanden, jeder weitere negative Impuls könnte die Situation verschlimmern. Im Falle einer Deflation etwa würden die Konsumenten und Unternehmen in den Euro-Ländern geplante Käufe und Investitionen aufschieben, weil sie auf noch niedrigere Preise hoffen. Damit würden sie das Wirtschaftswachstum weiter schwächen. Die EZB will genau das mit ihrem milliardenschweren Programm zum Anleihekauf verhindern: Die Zentralbank plant, jeden Monat für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen zu kaufen – mindestens bis September 2016. Indem sie Europa so mit jeder Menge frischem Geld versorgt, soll sich die Inflationsrate wieder erhöhen. Aktuell liegt sie bei minus 0,6 Prozent, Ziel ist eigentlich eine Inflationserwartung von 1,7 bis 1,9 Prozent.

Die Rechnung der EZB könnte aufgehen, zeigt eine IW-Analyse. Denn Erfahrungen der sogenannten Quantitativen Lockerung aus den USA haben gezeigt: Zögerliche Anleihekäufe haben kaum Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Inflation, umfangreiche Käufe hingegen schon „Daher ist der Plan der EZB, Staatsanleihen für insgesamt mindestens 1,2 Billionen Euro aufzukaufen, ein starkes und wichtiges Signal“, sagt IW-Direktor Michael Hüther.

Die EZB-Maßnahmen seien deshalb keinesfalls als Abgesang auf eine Leitzinserhöhung zu sehen. Ein Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik, so die IW-Studie, sei allerdings erst dann möglich, wenn das wirtschaftliche Umfeld es zulässt. Dazu müssen die Schuldenstände der Krisenländer weiter sinken, die Staaten weitere Reformen umsetzen und eine Deflation verhindert werden.

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld?

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Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hart
Pressemitteilung, 20. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hartArrow

Derzeit liegen die Zinsen im Euroraum auf einem Tiefststand. Sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer expansiven Geldpolitik verabschieden, könnten viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten kommen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr

IW-Report
IW-Report, 18. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer How do higher interest rates impact companies’ financial situation?Arrow

Companies’ access to finance has an important impact on their profitability and growth prospects. Without external financing, most firms are not able to invest, which is a prerequisite for economic growth. Unlike in the US, which has a capital market-based financial system, banks are the dominant lenders for firms in the Eurozone. mehr

14. September 2017

Interview mit Markus J. Beyrer „Die Freiheiten in der EU fallen nicht von den Bäumen“Arrow

Die künftige Bundesregierung muss die Fahne des Freihandels hochhalten und sollte den vorhandenen finanziellen Spielraum für mehr Investitionen nutzen, sagt Markus J. Beyrer im iwd-Interview. Der Österreicher ist Generaldirektor der europäischen Vereinigung der Industrie- und Arbeitgeberverbände BusinessEurope, zu dessen Mitgliedern die deutschen Organisationen BDA und BDI gehören. mehr auf iwd.de