Zu den Indikatoren, die in Konjunkturprognosen einfließen, gehört auch der erwartete Ölpreis. Im Herbst vergangenen Jahres rechneten die Prognostiker für 2016 mit rund 60 Dollar pro Barrell. Doch schon jetzt scheint klar, dass Öl im Durchschnitt dieses Jahres wohl eher 40 Dollar kosten wird.

Mit Hilfe des Oxford Global Economic Model hat das IW Köln simuliert, wie sich diese Preisänderung auf das heimische Wirtschaftswachstum auswirken könnte. Demnach dürfte der private Konsum mengenmäßig um etwa 7 Milliarden Euro höher ausfallen als erwartet – das klingt viel, wäre aber nur ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte. „Rohöl ist zwar deutlich billiger geworden. Das wirkt sich direkt aber maximal auf 5 Prozent der Einkäufe aus. Folglich haben die Haushalte gar nicht so viel mehr im Geldbeutel“, erklärt IW-Außenhandelsexpertin Galina Kolev. Außerdem entfällt beispielsweise beim Benzin ein Großteil des Preises ohnehin auf fixe Steuern, die pro Liter zu zahlen sind. „Ein Rückgang des Ölpreises um ein Drittel senkt den Spritpreis aktuell um maximal 10 Prozent“, so IW-Umweltexperte Thilo Schaefer.

Zwar dürften durch den Preisrutsch auch die Investitionen und Exporte deutscher Unternehmen leicht zulegen. Im Ergebnis, so das IW Köln, wird sich das Wirtschaftswachstum allerdings um nur 0,2 Prozentpunkte erhöhen. Denn vor allem die Konsumenten, aber auch viele Unternehmen, nutzen einen recht großen Teil des eingesparten Geldes, um Importgüter zu kaufen – und nicht heimische Produkte. Ohnehin ist das zusätzliche Wachstum nur ein einmaliger Effekt: Spätestens in zwei Jahren wird das billige Öl das Bruttoinlandsprodukt nicht weiter beflügeln – wenn Öl überhaupt so billig bleibt.