Vor sieben Jahren ging Lehman Brothers pleite und löste eine Finanz- und Wirtschaftskrise aus, die in Europa bis heute nachwirkt. Als Reaktion auf die Krise hat die EU-Kommission die Banken mittlerweile deutlich strenger reguliert. Bis Anfang Oktober soll dieses Regelwerk durch eine öffentliche Konsultation überprüft werden. An ihr beteiligt sich auch das IW Köln mit konkreten Bewertungen und Forderungen.

Die IW-Finanzexperten betonen in ihrer Studie, dass unterschiedliche Geschäftsmodelle von Banken auch unterschiedliche Risiken mit sich bringen: Jene Institute, die sich auf die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie auf die langfristige Kreditfinanzierung spezialisiert haben, sind weniger gefährdet als Banken, die hochriskant investieren. Diese unterschiedlichen Risiken sollten sich laut IW in den Anforderungen an das Eigenkapital widerspiegeln.

In diesem Zusammenhang gilt es zu bedenken, dass nur Banken, die mit hohem Risiko agieren, in absehbarer Zeit das geforderte Eigenkapital erwirtschaften können. „Geldhäusern, die sicherheitsorientiert agieren, bleibt häufig nichts anderes übrig, als weniger Kredite zu vergeben. Sie erfüllen also die geforderte Eigenkapitalquote, indem sie ihre Bilanz verkürzen. Das lähmt natürlich den Kreditmarkt“, sagt IW-Finanzexpertin Heide Haas.

Die zweite zentrale Forderung des IW Köln richtet sich gegen die Praxis, dass Staatsanleihen in den Bankbilanzen als risikolos gelten. Bislang ist für die Anleihen der EU-Länder deshalb kein Eigenkapital nötig. „Das muss sich ändern. Die Staatsschuldenkrise hat schließlich eindrücklich gezeigt, dass diese Finanzinstrumente weit davon entfernt sind, risikolos zu sein“, sagt IW-Finanzmarktökonom Markus Demary.