Musterknabe Dänemark Image
Quelle: Fotolia

Die größten Armutsprobleme hat neben den EU-Beitrittsländern Lettland, Bulgarien und Rumänien der Euro-Krisenstaat Griechenland. Um ein möglichst genaues Bild zu zeichnen, bedient sich die IW-Untersuchung vier unterschiedlicher Indikatoren zur Bestimmung von Armut. Dazu gehört als Standardmaß die relative Einkommensarmut; darunter fällt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Die anderen drei Faktoren sind die subjektive Einkommensarmut (Selbsteinschätzung), die sogenannte Deprivation (geringer Lebensstandard) und die finanzielle Anspannung, die anzeigt, wie gut Haushalte mit ihrem Einkommen zurechtkommen. Zwar schneidet Deutschland bei der relativen Einkommensarmut nur mittelprächtig ab. Dafür kommen die Deutschen mit ihrer Haushaltskasse im Ländervergleich gut über den Monat.

Besonders betroffen von Armut sind sowohl in Deutschland als auch europaweit vor allem Menschen ohne Arbeit, Alleinerziehende und Ausländer. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Bekämpfung von Armut sind nach Ansicht der IW-Forscher deshalb arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Alleinerziehende wiederum sollten dahingehend unterstützt werden, dass sie eine Vollzeittätigkeit und die Familie besser unter einen Hut bringen können.

Europäisches Armutsranking
Rangsumme im Jahr 2010/2011 (das beste Land in den Kategorien relative Einkommensarmut, subjektive Einkommensarmut, Deprivation und finanzielle Anspannung bekommt jeweils Rang 1, das schlechteste Rang 27; für die Rangsumme werden die Werte addiert)
Rang Land Rangsumme
1 Dänemark 15
1 Luxemburg 15
1 Niederlande 15
4 Schweden 15,5
5 Finnland 18
6 Österreich 22,5
7 Deutschland 38
8 Vereinigtes Königreich 40
9 Frankreich 40,5
10 Tschechische Republik 42
11 Belgien 43
12 Slowenien 48,5
13 Slowakische Republik 55,5
14 Malta 56
15 Spanien 57,5
16 Irland 59
17 Estland 64
18 Zypern 67
19 Portugal 78
20 Polen 78,5
21 Italien 80
22 Litauen 84
22 Ungarn 84
24 Lettland 95
25 Griechenland 95,5
26 Rumänien 98
27 Bulgarien 107
Quelle: Europäische Kommission, Eurostat, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

IW-Trends

Christoph Schröder: Armut in Europa

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”
Interview, 13. November 2017

Michael Hüther im Deutschlandfunk Brexit-Verhandlungen: „Jeder Deal wäre besser als kein Deal”Arrow

Mit dem bisherigen Gesprächstempo werde es eng für einen kontrollierten Brexit, sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die Briten hätten mit ihrer bisherigen „Strategielosigkeit” die Chance vertan, die Trennung konstruktiv zu gestalten. mehr