Lohnquote weitgehend stabil Image
Kapitalerträge sind in Deutschland nicht wesentlich stärker gestiegen als Arbeitseinkünfte. Foto: iStock/vm

Häufig wird behauptet, dass Kapitalerträge heute in Industriestaaten stärker steigen als Arbeitseinkünfte. Der Anteil der Löhne am volkswirtschaftlichen Gesamteinkommen – die sogenannte Lohnquote – würde demnach sinken. Doch einen eindeutigen Trend in dieser Hinsicht gibt es nicht, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie zeigt: In Deutschland lag die Lohnquote im Jahr 2016 mit 68,1 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie vor 25 Jahren. 1991 betrug sie 68,6 Prozent.

Der aktuelle Wert liegt zwar etwas unter dem Durchschnitt der 1990er Jahre. Nach einem kurzen Einbruch zu Beginn des neuen Jahrtausends hat sich die Quote zuletzt aber wieder deutlich erhöht. Nach wie vor erwirtschaften Arbeitnehmer mit ihren Löhnen also mehr als zwei Drittel des deutschen Gesamteinkommens. Knapp ein Drittel setzt sich aus Kapitaleinkünften wie Unternehmensgewinnen, Dividenden und Zinsen zusammen. Diese fließen zum großen Teil ebenfalls den Arbeitnehmern zu.

Auch in anderen OECD-Staaten stellt die IW-Studie keine einheitliche Verschiebung der Einkommensverteilung in Richtung des Kapitals fest. Zwar ging die Lohnquote in fünf der 18 untersuchten Länder in den vergangenen 25 Jahren zeitweise merklich zurück. In anderen Ländern stieg sie dafür deutlich – zum Beispiel in Frankreich, der Schweiz und im Vereinigten Königreich.

Die These einer allgemein zunehmenden Ungleichheit durch eine sinkende Lohnquote, wie sie etwa der französische Ökonom Thomas Piketty vertritt, ist demnach nicht haltbar. „Von einem generellen Bedeutungsverlust der Arbeitseinkommen kann keine Rede sein“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling.

IW-Trends

Michael Grömling: Entwicklung der makroökonomischen Einkommensverteilung in Deutschland

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

10. August 2017

Judith Niehues Gerechtigkeit – alles eine Frage der WahrnehmungArrow

Diese Daten dürften all jene überraschen, die in Deutschland eine tief gespaltene, unzufriedene und von Abstiegsängsten bedrohte Gesellschaft sehen: Immer mehr Bundesbürger sind mit ihrem Lebensstandard zufrieden und viele ordnen sich in eine höhere gesellschaftliche Schicht ein als vor zehn Jahren. mehr auf iwd.de

„Armut ist nicht in Ordnung – im reichen Land”
Interview, 27. Juli 2017

Michael Hüther und Ulrich Lilie im Magazin Chrismon „Armut ist nicht in Ordnung – im reichen Land”Arrow

Aber wie wird es gerechter, das Land? Im Interview mit dem Evangelischen Magazin Chrismon schlagen der Diakoniechef Ulrich Lilie und der Wirtschaftsforscher Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln unterschiedliche Wege vor. mehr

IW-Report
IW-Report, 26. Juni 2017

Judith Niehues Armuts- und ReichtumsberichterstattungArrow

Stellungnahme zur Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland, unter anderem zum fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, in der öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestags. mehr